Ökologie

Flaschen sortieren bringt's


Beim Umweltschutz halten sich ein paar hartnäckige Vorurteile

Berlin. Es ist so ein schönes Gefühl: Wenn man die Käse-Verpackung in die „Gelbe Tonne“ wirft oder die Plastikflasche in den Pfandautomaten steckt, hat man was für die Umwelt getan. Leider jedoch ist das Bemühen mitunter echt für die Tonne. Denn nicht alles in der Öko-Welt ist so, wie es scheint.

Einige Beispiele:

Die Bioplastik-Tüte

Sie ist zu „100 % kompostierbar“ – steht ja schließlich drauf. Falsch: Sie gehört nicht in die Biotonne oder den Kompost. Jürgen Resch, Chef der Deutschen Umwelthilfe: „In fast allen Kompostierwerken wird die Bioplastik-Tüte ausgesiebt, weil ihre Zersetzung zu lange dauert und zu hohe Temperaturen erfordert.“ Zumindest Aldi und Rewe haben die Tüten jetzt aus dem Verkauf genommen.

Der Joghurt-Becher

Wenn man ihn in die „Gelbe Tonne“ kloppt, wird er recycelt. Das stimmt leider nicht immer. Nur jede zweite Packung erlebt die Wiedergeburt als Plastikprodukt. Die andere Hälfte der jährlich gesammelten 2,6 Millionen Tonnen Kunststoff-Verpackungen wird in Blockheizkraftwerken oder Müllverbrennungsanlagen verheizt. Die Becher vorher zu spülen, ist übrigens unnötig.

Der Glasmüll

Sortieren lohnt nicht, es landet eh alles im gleichen Müllauto. Irrtum. Das Glas bleibt beim Leeren der Container getrennt. Die Recyclingquote liegt bei über 80 Prozent.

Das Flaschenpfand

Was der Pfandautomat schluckt, geht auf die Mehrweg-Reise, meinen viele. Leider ist das immer seltener der Fall. Nur beim Bier scheppern noch über 80 Prozent der Flaschen an die 50 Mal zwischen Brauerei und Kunden hin und her. Bei Mineralwasser und Erfrischungsgetränken macht das nicht einmal mehr jede dritte Flasche. Die meisten Pullen sind – trotz Pfand – inzwischen Einwegware.

Der Import-Apfel

Äpfel von der Südhalbkugel sind ökologisch „bäh“. Denkste! „Wenn die Äpfel etwa von großen Plantagen Neuseelands kommen, per Schiff transportiert und im Sommer angeboten werden, stimmt die Öko-Bilanz“, sagt Professor Elmar Schlich von der Uni Gießen. „Hiesige Äpfel von der Ernte bis zum nächsten Sommer in Kühlhäusern zu lagern, frisst auch viel Energie.“

Übrigens: Obst mit dem Auto vom 20 oder mehr Kilometer entfernten Erzeugern zu holen, ist laut Schlich „jenseits von Gut und Böse“.

Die Energiesparlampe

Sie gefährdet die Gesundheit und die Umwelt, weil sie giftiges Quecksilber enthält. Das denken viele Menschen. Was sie nicht wissen: „Jede Energiesparlampe erspart der Umwelt mehr Quecksilber, als sie selbst enthält“, sagt Claus Barthel, Energieexperte beim Wuppertal-Institut. Denn Kraftwerke setzen beim Verstromen von Kohle Quecksilber frei. Bei einer Glühbirne oder Halogenlampe ist das wegen des höheren Stromverbrauchs aber weit mehr als bei einer Sparleuchte, so Barthel. Außerdem kommt in etwa einem Jahr eine quecksilberfreie Variante der Energiesparlampe auf den Markt.

Spülen per Hand

Das schont die Umwelt, glauben viele. Professor Rainer Stamminger von der Universität Bonn hat allerdings anderes herausgefunden: „Die Maschine braucht im Schnitt 50 Prozent weniger Wasser und 28 Prozent weniger Energie.“ Wichtig ist aber: Nicht von Hand vorspülen. Und die Maschine unbedingt vollpacken! Dann stimmt die Ökobilanz.

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