Urteil

Fitnessstudio: Wer unterschrieben hat, muss zahlen

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Schnuppern kann mitunter teuer werden: Wer in einem Fitnessstudio unüberlegt einen Vertrag unterzeichnet, hat kein Recht auf Widerruf.

Das zeigt ein aktueller Fall am Münchner Amtsgericht. Eine Frau wurde durch eine Werbeaktion auf ein kostenloses Probetraining aufmerksam. Spontan unterschrieb sie in dem Studio einen Vertrag. Als sie sich Räume und Trainingsgeräte dort genauer ansah, überlegte sie es sich anders und kündigte den Vertrag gleich am nächsten Tag.

Der Betreiber des Studios akzeptierte die Kündigung zwar – aber erst zum Ende der im Vertrag vereinbarten Laufzeit von einem Jahr. Kosten für die ungewollte Mitgliedschaft: 599 Euro. Dagegen zog die Münchnerin vor Gericht. Sie sei „überrumpelt worden“, das Geschäftsgebaren des Studios sei „unseriös“.

Die Richter gaben jedoch dem Fitnessstudio Recht. Es sei „nicht überraschend“, dass ein Probetraining dazu diene, neue Mitglieder anzuwerben. Das Ziel der Aktion sei „klar erkennbar“ gewesen. Es handele sich hier nicht um ein sogenanntes Haustürgeschäft, daher bestehe kein Widerrufsrecht.

Widerrufsrecht bei Haustürgeschäften

Nach Paragraf 312 des Bürgerlichen Gesetzbuchs haben Verbraucher ein Recht auf kurzfristigen Widerruf, wenn jemand sie am Arbeitsplatz oder zwischen Tür und Angel zuhause zu einem Vertragsabschluss drängt. Das gilt auch für öffentliche Verkehrsmittel und Plätze, etwa Bahnhöfe, Raststätten oder Fußgängerzonen. Auch bei Freizeitveranstaltungen wie Kaffeefahrten gehen die Richter von klassischen Überrumpelungssituationen aus, in denen Verbraucher durch das Recht auf Widerruf besonders geschützt werden müssen.

Die Situation, dass jemand zu schnell einen Vertrag abschließe, ohne sich vorher davon zu überzeugen, ob er ihn auch wirklich wolle, gehöre aber nicht dazu, so das Gericht.

(Amtsgericht München, 25.10.2012, Az. 223 C 12655/12)


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