Freizeit

Fitness-Branche lässt die Muskeln spielen


Studios locken so viele Menschen an wie noch nie

Köln. Schweißperlen laufen über das Gesicht von Johanna Nieder. Unermüdlich stemmt die 23-Jährige 55 Kilogramm Eisen mit den Beinen. Mehr als ihr eigenes Körpergewicht. 20-mal. 30-mal. 40-mal. „Das mache ich dreimal in der Woche“, sagt die Kellnerin.

Neben ihr quälen sich Teenager auf dem Laufband und Rentnerinnen an der Ruderzug-Maschine. Deutschland erlebt einen Fitness-Boom. Und der kennt keine Altersgrenze.

Über sieben Millionen Menschen trainierten im vergangenen Jahr in einem von 6.000 Studios – fast 1,2 Millionen mehr als 2008, bilanziert der Deutsche Sportstudio Verband. Und wenn Ende April in Essen die Fibo ihre Pforten öffnet, die Leitmesse für Fitness, Wellness und Gesundheit, wird der Boom zusätzlich angeheizt.

Mehr als 530 Aussteller aus 38 Ländern präsentieren Neuheiten in Sachen Körperkult. So viele wie noch nie.

Gewichte stemmen rund um die Uhr

Die „Muckibuden“ verzeichneten 2009 einen Rekord-Umsatz in Höhe von 3,4 Milliarden Euro und beschäftigten 100.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer.

Einer von ihnen ist Ardalan Irantash. Der Trainer dreht gerade seine Kontrollrunde beim Discount-Anbieter McFit in Köln, wo auch Johanna Nieder ihr Programm abarbeitet.

„Sogar um drei Uhr nachts trifft man bei uns noch Leute“, sagt der 25-Jährige über das spartanische Studio, das an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr geöffnet hat.

Billigketten wie Easy Sports oder McFit sind es, die immer mehr Sportwillige an die Geräte locken – vor allem die Generation 50plus und junge Leute wie Nieder. „Hier zahle ich schließlich weniger als

20 Euro im Monat“, sagt sie.

Die Dusche danach allerdings kostet extra. Es gibt keine Sauna, kein Solarium, keine Yoga- oder Pilateskurse. Doch das alles will sie auch gar nicht.

Sie will nur schwitzen und weg. Fitness-Fastfood für Bauch, Beine und Po. Dazu ein wenig Ausdauertraining und ein paar Übungen für den Rücken.

Trainer Irantash beobachtet seine Schützlinge mit routiniertem Blick, korrigiert hier und da mal eine Bewegung. Ansonsten sind die FitnessFans weitgehend auf sich allein gestellt.

Goldkettchen-Typen sieht man selten

„Die Leute wollen gut aussehen“, sagt er über die Motivation der bis zu 1.000 Kunden, die pro Tag das Studio in der Kölner Innenstadt aufsuchen. „Viele suchen einen Ausgleich zu ihrer bewegungsarmen Arbeit“, so Irantash, der seit dem 15. Lebensjahr trainiert und das Hobby zum Beruf gemacht hat.

Übertriebene Muskelprotze mit Goldkettchen jedoch, die vor dem Spiegel selbstverliebt Gewichte stemmen, sieht er dort nur selten. Längst spricht die Branche ganz andere Zielgruppen an – Hausfrauen und Rentner, Schüler und Geschäftsleute, Marathon-Läufer und Übergewichtige.

Auch Johanna Nieder weiß, warum sie sich regelmäßig an den Geräten quält. „Ein fitter Körper bringt mir schließlich Pluspunkte. Im Job, gesundheitlich und auch privat.“

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