Rohstoffpreise

Firmenallianz gegen Chinas Monopol


Wie die Industrie die Versorgung sichern will

Berlin. Ob Eisenerz für die Stahl-Erzeugung, Kupfer für Kabel oder Platin für Auto-Kats – die Preise wichtiger Rohstoffe kannten im letzten Jahrzehnt fast nur eine Richtung: nach oben. Im Vergleich zu 2005 hat etwa der von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft berechnete „vbw-Index“ für 42 Rohstoffe um 60 Prozent zugelegt – trotz des zwischenzeitlichen Einbruchs in der Wirtschaftskrise. Seit Dezember steigt er wieder.

Besonders erhöhten sich die Preise für Seltene Erden, die etwa in Akkus, Elektromotoren und Windturbinen stecken. Der globale Umsatz mit diesen Spezialmetallen nahm allein seit 2008 von 2,4 Milliarden Euro auf 20 Milliarden Euro zu – bei kaum gestiegener Produktion.

Viele Betriebe sorgen sich um den Nachschub

Die Rohstoffklemme spitzt sich zu – und die deutsche Industrie will dieser bedrohlichen Enwicklung nun nicht mehr tatenlos zusehen. Ende Januar 2012 gründeten zehn Unternehmen die „Allianz zur Rohstoffsicherung“ in Berlin. Mit dabei: Bosch, Thyssen­Krupp, die Chemie-Konzerne BASF, Bayer, Evonik und Wacker sowie der Kupfer-Hersteller Aurubis. Firmen aus der Autobranche werden folgen.

Die Allianz soll selbst ein schlagkräftiges Unternehmen werden, kündigt ihr Geschäftsführer Dierk Paskert im Gespräch mit AKTIV an. Ziel sei es, „die Rohstoff-Sicherheit der Industrie nachhaltig zu verbessern“. Laut einer aktuellen Umfrage des Wirtschaftsverbands DIHK sorgen sich 68 Prozent aller Industriebetriebe im Land um den Rohstoff-Nachschub. Paskert warnt: „Ein längerer Blackout etwa bei der Versorgung mit Seltenen Erden hätte schlimme Folgen für Firmen und Arbeitsplätze.“

Undenkbar ist das nicht – die Japaner haben es schon erlebt: Die Volksrepublik China, die mehr als 90 Prozent dieser Metalle weltweit fördert, stellte im vergangenen Jahr zeitweilig die Lieferung an Toyota & Co. ein. Auch bei der Produktion von Kupfer und Erzen verfügt Peking über hohe Weltmarktanteile.

Rohstoffallianz-Chef Paskert soll mit einer eigenen kleinen Mannschaft von Geologen und Ingenieuren sowie der Unterstützung von vielen Partnerunternehmen die Versorgung sichern. Der Etat dafür sei im internationalen Maßstab „überschaubar“. Den Großteil will man sich durch Auflage eines Rohstofffonds besorgen.

„Klar kommen wir finanziell nicht gegen die Bergbau-Giganten der Welt und China an“, weiß der Manager. Und Heinz-Norbert Schächter, der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung Rohstoffe und Bergbau (VRB) in Berlin, bestätigt: „Die legen für interessante Vorkommen ohne mit der Wimper zu zucken ein- oder zweistellige Milliardenbeträge auf den Tisch.“

Weitere Firmen sind willkommen

Die Gegenstrategie formuliert Paskert so: „Wir müssen nicht für jeden Rohstoff eine eigene Mine haben. Wir beteiligen uns an Abbau-Projekten und sichern uns damit die nötigen Anteile an den Fördermengen.“ Als Partner attraktiv mache die Allianz die Bergbau-Technik hiesiger Firmen, die „immer noch führend“ sei – und die gebündelte Nachfrage vieler deutscher Unternehmen. Die ermögliche langfristige Abnahme-Garantien.

Die Allianz ist für weitere Interessenten offen. Oben auf der Dringlichkeitsliste stehen Wolfram, Kokskohle – und eben die Seltenen Erden: Für die gibt es Abbau-Vorhaben in den USA, Kanada und Australien. Mit drei oder vier Projekten soll es rasch losgehen. Bis die ersten Fördermengen die Betriebe erreichen, können einige Jahre vergehen.

„Die Zeit drängt“, mahnt Experte Schächter vom Fachverband VRB. Andere Länder sichern längst ihre Claims.

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