Forschung

Firmen reden mit Ökos über Nanos


Ciba und Novartis loten zusammen mit Umwelt-Instituten Nutzen und Nachteile der neuen Technik aus

Für die einen ist die Nano-Technik Spitze. Sie beschert uns kratzfeste Autolacke, keimfreie Kühlschränke und gezielter wirkende Arzneien.

Andere machen sich Sorgen: Wie ist das mit den Winzlingen? Sind sie vielleicht gefährlich? Bedrohen sie meine Gesundheit? Oder die Umwelt?

Verunsicherte Verbraucher – genau die wollen Pharmariese Novartis und Chemie-Hersteller Ciba bei ihren Nano-Produkten aber nicht. Deshalb haben sie sich frühzeitig mit Experten vom Öko-Institut Freiburg und vom Österreichischen Ökologie-Institut Wien zusammengesetzt. Gemeinsam haben sie über Monate hinweg Chancen und Risiken jener „Nanos“ diskutiert und bewertet, mit denen die Firmen forschen und arbeiten. Ziel: Die Winzlinge auf Sicherheit und Umwelt-Effekte zu prüfen.

„Viele spannende Entwicklungen“

„Das ist eine Art Frühwarnsystem“, erklärt Antje Grobe von der Schweizer Stiftung Risiko-Dialog. Sie hat die zum Teil heißen Experten-Debatten über Arbeitssicherheit, Anwendung, Nutzen und Entsorgung der Winzlinge moderiert.

Jetzt haben Firmen und Institute ihren Abschluss-Bericht vorgestellt: in Basel, in einer Runde von Umweltexperten und Medizinern. AKTIV war dabei. Hier die Fakten:

Fakt eins

„Nano, nein danke“ – das wollen auch die Öko-Institute nicht. Martin Möller vom Freiburger Institut: „Da gibt es viele spannende Entwicklungen.“ Zum Beispiel optimalere Verfahren. „Man kann Sonnenstrom besser herstellen, Energie sicherer speichern, giftige Stoffe ersetzen und sauberes Trinkwasser für die Dritte Welt herstellen.“

Fakt zwei

Nicht nur für die Branche, auch für die Umwelt kann Nano-Technik ein dickes Plus bringen. „Man muss den Einzelfall bewerten“, betont Möller. Das macht man unter anderem mit Hilfe der Öko-Bilanz. Das sehen auch die Unternehmen so.

Manches muss noch geklärt werden

Beispiel Kosmetik: Hier glänzen die Nanos in der Umweltbilanz. Dank der Nano-Technik wirken Vitamine von Hautcremes und Salben besser und gezielter“, erklärt Ciba-Experte Helmut Elbert. „Für den gleichen Effekt ist weniger Creme nötig.“ Der Umwelt erspart das allein in Deutschland 10.000 Tonnen Rohstoffe und 9.000 Tonnen Verpackungsmaterial im Jahr.

Fakt drei

Der Einsatz von Nanos erfordert eine sorgfältige Prüfung. Darin sind sich Novartis, Ciba und die Institute einig. Die Rote Karte zeigen sie deshalb zum Beispiel bestimmten Trägerstoffen für Medizin und Kosmetik, die der Körper nicht abbauen kann. Einige sind bewährt und gelten auch Verbraucherschützern als völlig unbedenklich. Andere stehen im Verdacht, Entzündungen hervorzurufen. Möller: „Das muss die Wissenschaft erst noch sauber klären.“

Also ist Vorsicht besser. „Auf solche Nano-Transporter werden wir von Novartis bei der Arznei-Entwicklung bis dahin verzichten“, sagt Martin Kuster, Gesundheitsexperte des Konzerns. Unbedenkliche Träger wie Zucker oder Eiweiße bieten seinen Forschern ohnehin jede Menge Möglichkeiten. Auch Ciba setzt nur auf sie.

Fakt vier

Auf Experten-Ebene sind die Zeiten der Konfrontation zwischen Ökos und Firmen vorbei. Man redet miteinander, und zwar „auf gleicher Augenhöhe“, wie Antje Grobe feststellt. Demnächst wird auch der Chemie-Dachverband VCI den Dialog über die Nanos weiterführen. Mit dabei: Behörden, Gewerkschaften und Umweltexperten.

www.risiko-dialog.ch

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Schlagwörter: Umwelt

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