Konjunktur

Firmen in Sorge: Kautschukmangel treibt die Preise


Asiaten kaufen Märkte leer – vieles wird teurer

Frankfurt. Die weltweit steigende Nachfrage nach Rohstoffen lässt nicht nur die Benzin- und Heizölpreise explodieren. Auch bei Autoreifen dreht sich seit Jahren die Preisschraube. Der Grund: Seit dem Jahr 2000 haben sich die Preise für Naturkautschuk fast versechsfacht. Inzwischen kostet eine Tonne der wertvollen Gummi-Masse mehr als 2.000 Euro – und das soll erst der Anfang sein, sagen Experten voraus.

Jens Andrews vom Hamburger Kautschuk-Importeur Weber und Schaer ist pessimistisch: „Die Lage wird sich weiter verschärfen.“ Babyschnuller, Schaumstoff-Matratzen, Gummihandschuhe und viele andere Gebrauchtwaren werden ebenfalls aus dem begehrten Rohstoff hergestellt. Und auch hier werden die Preise steigen.

Allein China braucht ein Viertel

Warum wird der weiße Saft aus dem Kautschukbaum so knapp? Ursache ist nach Einschätzung von Experten vor allem die massive Nachfrage in den aufstrebenden Ländern Ostasiens. Allein auf China entfällt bereits jetzt mehr als ein Viertel des weltweiten Verbrauchs an Naturkautschuk.

Im Jahr 2006 verarbeitete die blühende Wirtschaft des Landes nach Angaben der International Rubber Study Group rund 2,4 Millionen Tonnen, von denen nur wenige als fertige Produkte wieder exportiert werden.

Damit steht das Reich der Mitte noch vor den USA an der Tabellenspitze – obwohl sich bislang nur wenige der rund 1,3 Milliarden Chinesen ein Auto leisten können und damit Reifen verschleißen. „Da ist noch ein großes Potenzial“, sagt Andrews. „Es ist davon auszugehen, dass sich die Nachfrage weiter verstärkt.“

Deutschland kommt als erstes europäisches Land mit einem weltweiten Verbrauchsanteil von rund 3 Prozent erst an zehnter Stelle.

Für Europa wird der Kautschukhunger Asiens immer mehr zum Problem. Zwar kann man den Stoff auch synthetisch herstellen und in Form fertiger Produkte von deutschen Unternehmen vermehrt nach China exportieren. Ersetzen kann das Kunstgummi den Saft des Kautschukbaumes aber kaum: Beim Dämpfungsverhalten und bei der Rissbeständigkeit ist er dem synthetischen Nachfolger deutlich überlegen, wie Harald Geisler vom Deutschen Institut für Kautschuktechnologie  in Hannover erklärt.

Kondome nicht noch dünner

Vor allem für Präservative und Lkw-Reifen gibt es deshalb keine Alternative. Der Mapa-Konzern, der in Deutschland die Kondom-Marken Billy Boy, Fromms und Blausiegel vertreibt, berichtet ebenfalls von steigenden Preisen. Bislang sei der Kostenschub zwar nicht an die Händler weitergegeben worden. Wie lange das allerdings noch durchzuhalten ist, weiß niemand vorherzusagen.

„An den Produktkosten kann man ja sonst nicht mehr viel optimieren. Wir können die Kondome nicht noch dünner machen“, sagt Mapa-Werkdirektor Ralf Holschumacher.

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