Branchen-Konjunktur

Firmen haben aufgetankt


In der Kautschuk-Industrie tut sich wieder was

Hannover/Frankfurt. Tanken ist ein alltäglicher Vorgang. Kaum einer denkt daran, wie viel Hightech im Spiel ist, damit an der Tankstelle, auf dem Airport oder auch bei der Heizöl-Lieferung zu Hause der Kraftstoff sicher fließt.

„Das funktioniert nur, wenn die Schlauch-Konstruktion und die Gummi-Mischungen exakt aufeinander abgestimmt sind“, weiß Jörg Roßmann, Produktionsleiter Industrieschläuche bei ContiTech Fluid Technology. Und das bei jedem Wetter, im Sommer und im Winter. Hinzu kommt die Sicherheit: Das Material muss absolut dicht sein, Ozon- und UV-beständig – in Saudi Arabien ebenso wie am Polarkreis. „Kein Wunder, dass wir etwa in Kanada einen besonders hohen Marktanteil haben“, bemerkt ContiTech-Mann Roßmann.

Was passiert in den Abnehmer-Branchen?

Das Selbstbewusstsein ist typisch für die Kautschuk-Industrie: Insbesondere das Auslandsgeschäft macht wieder viel mehr Freude. „Das schwere Jahr 2009 liegt hinter uns, wir sind einen Schritt weiter“, sagt Reiner Landwehr, der Vorsitzende des Wirtschaftsverbandes der deutschen Kautschukindustrie (wdk).

Die Branche tankt auf. Die Ergebnisse der ersten Monate dieses Jahres deuten auf eine positive Entwicklung hin. Es reicht zwar noch nicht, um den starken Absturz von 2009 auszugleichen. Aber die Zuwachsraten fallen immerhin zweistellig aus: ein Umsatzanstieg um 15 Prozent. „Das ist ein berechtigter Anlass zur Hoffnung“, sagt Landwehr.

Nach Einschätzung des Verbandes hängt alles davon ab, ob und wie schnell sich die Abnehmerbranchen aus Automobil-Industrie, Maschinenbau, Elektrotechnik und Bauwirtschaft erholen. Immerhin liegen die Werte zum Geschäftsklima, die auf Umfragen des Münchner Ifo-Ins­tituts basieren, mittlerweile schon wieder höher als vor der Weltwirtschaftskrise (Grafik).

Grund zum Optimismus

ContiTech in Hannover bestätigt den positiven Trend. „Wir sind in den ersten Monaten sehr gut gestartet“, sagt Vorstandschef Heinz-Gerhard Wente. Kurzarbeit an den deutschen Standorten, wo das Unternehmen gut 10.000 Menschen beschäftigt, ist bis auf wenige Ausnahmen Vergangenheit.

Grund zum Optimismus hat man allemal. Auf der Hannover Messe stellte ContiTech eine Weltneuheit vor: den rußfreien Öko-Riemen aus nachwachsenden Rohstoffen. Fast zwei Jahre haben die Entwickler an dem Produkt geforscht. Es soll zunächst als Keil- und Zahnriemen zum Einsatz in Haushaltsmaschinen sowie in Maschinen für die Lebensmittel-Industrie kommen.

Der zuständige ContiTech-Spartenchef Konrad Müller hat große Pläne: „Der Öko-Riemen hat das Potenzial, die herkömmlichen Riemen auf der ganzen Welt zu ersetzen.“ Wie bei Schläuchen kommt es auch hier auf die richtigen Mischungen an. Müller: „Die Öko-Riemen sind so leistungsstark und langlebig wie die konventionellen.“

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