Volle Kassen, leere Kassen

Finanzlage der Kommunen: Studie zeigt dramatische Unterschiede innerhalb Deutschlands

Gütersloh. In Deutschland arbeiten so viele Menschen wie noch nie – die Steuereinnahmen sprudeln. Volle Kassen also in allen Rathäusern? Geld genug, um jedes Schlagloch zu stopfen? Von wegen!

Zwar haben die Kreise, Städte und Gemeinden im letzten Jahr einen Überschuss von 240 Millionen Euro erwirtschaftet. Doch zum einen fiel dieses Plus deutlich kleiner aus als zuvor. Und zum anderen sind die Unterschiede krass. Das zeigt der neue „Kommunale Finanzreport“ der Bertelsmann-Stiftung.

Während Ingolstadt, Wolfsburg oder Frankfurt am Main im Geld schwimmen, herrscht in Halle, Herne und Gelsenkirchen Ebbe. „Es gibt einen harten Kern, der nicht von der guten Konjunktur profitiert“, sagt René Geißler, Finanzexperte der Stiftung, „bestehende Haushaltskrisen verschärfen sich.“

So wie manche Privatleute immer tiefer in den Dispo rutschen, geht es manchen Städten mit den Kassenkrediten: Miese, denen keine Anschaffungen gegenüberstehen. Die Hälfte aller Kassenkredite verteilt sich auf nur 25 Städte in 13 Bundesländern (ohne Stadtstaaten).

Das liegt laut Geißler an der regionalen Wirtschaftsstruktur: Wo es zu wenige starke Unternehmen gibt, fehlen Gewerbe- und Einkommensteuer. Außerdem gibt es dort besonders viele Hartz-IV-Bezieher, für deren Wohnkosten vor allem die Kommune aufkommen muss.

Oberhausen, Pirmasens, Kaiserslautern, Hagen und Remscheid haben bereits seit Jahren die höchsten Kassenkredite pro Einwohner. „Kinder, die in solchen Städten aufwachsen, haben schlechtere Lebenschancen“, sagt der Experte.

Ganz anders sieht es dagegen in Süddeutschland aus: In Bayern und Baden-Württemberg investieren die Kommunen dank höherer Steuerkraft pro Einwohner zwei- bis dreimal so viel wie etwa in Nordrhein-Westfalen oder im Saarland.

Mancherorts fließt also viel Geld in Kindergärten oder Straßen, während anderswo Bäder schließen und Schulen vergammeln. Die Studie warnt vor einem Teufelskreis: „Damit werden Unterschiede der Infrastruktur und Standortqualität als Voraussetzung für Wirtschaftswachstum fortgeschrieben.“


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Die reichste Kommune in Deutschland verbuchte im Jahr 2013 Steuereinnahmen in Höhe von 3.440 Euro pro Einwohner – die ärmste Stadt 513 Euro. AKTIVonline zeigt hier die je 50 steuerkräftigsten und -schwächsten Städte und Kreise.

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