Metall und Elektro

Fast 1.000 Betriebe setzen aktuell auf Kurzarbeit, um gute Leute zu halten – ein Beispiel


Hannover. An diesen Muldenkippern ist alles riesig: Reifen mit über zwei Metern Durchmesser, Motoren mit 710 PS, ein Leergewicht von 46 Tonnen! Diese Kolosse kommen vor allem in Steinbrüchen und im Bergbau zum Einsatz. Erst seit kurzem montiert Komatsu Hanomag die Fahrzeuge, die sonst nur in Japan gefertigt werden, am Standort Hannover.

Eine Halle weiter die nächste Innovation: ein nagelneues Reinigungszentrum für Dieselpartikelfilter. 5.000 Filter kann die Anlage pro Jahr regenerieren, 3 Millionen Euro hat das Unternehmen dafür in der niedersächsischen Landeshauptstadt investiert.

Zwei Beispiele für die Anstrengungen des Werks, sich vom Auf und Ab der Konjunktur etwas zu lösen. Mit 600 Mitarbeitern werden hier Radlader, Mobilbagger und Muldenkipper entwickelt und gebaut – für  den Markt in ganz Europa.

Klar, dass die Staatsschuldenkrise da tiefe Spuren hinterlässt: 2012 sind die Aufträge von Monat zu Monat zurückgegangen, im ganzen Jahr um fast 10 Prozent. Das berichtet Göksel Güner, der Vorsitzende der Geschäftsführung. „Allein im Dezember hatten wir einen Nachfragerückgang von 25 Prozent“, sagt er. Im laufenden Geschäftsjahr werde das Werk etwa 1.500 Maschinen produzieren, 15 Prozent weniger als 2011.

Die Firma steuert gegen. Die Mitarbeiter haben ihre Zeitkonten heruntergefahren, befristete Verträge wurden nicht verlängert. „Aber das reicht nicht, um die erheblichen Schwankungen der Märkte abzufangen“, sagt Güner. Entlassungen will er dennoch vermeiden: Im Oktober 2012 hat er Kurzarbeit beantragt, die gerade bis Ende September verlängert worden ist.

Hanomag Komatsu ist kein Einzelfall. Bundesweit haben rund 1.000 Metall- und Elektro-Betriebe Kurzarbeit angemeldet. Das sind  zwar längst nicht so viele wie während der brutalen Rezession 2009, als fast 8.000 Firmen betroffen waren. Aber: Es sind doppelt so viele wie noch vor einem Jahr.

„Der Beschäftigungsaufbau ist zum Stillstand gekommen“, heißt es dazu beim Arbeitgeberverband Gesamtmetall. Die Stammbelegschaften würden in der nächsten Zeit bestenfalls stabil bleiben und wohl eher leicht schrumpfen – „denn die Betriebe haben 2012 mehr Mitarbeiter eingestellt, als die Konjunktur hergab“.

Das bestätigt ein Blick auf die jüngste Entwicklung der Branche: Die Produktion ist zuletzt deutlich hinter der kräftigen Aufstockung des Personals im Aufschwung nach der Krise zurückgeblieben.

Kommen wieder mehr Aufträge, werden alle qualifizierten Kräfte dringend gebraucht

Wobei es sich in Zeiten des Fachkräftemangels kein Unternehmen mehr leisten kann, voreilig auf gute Leute zu verzichten.

Das weiß man auch bei Komatsu Hanomag. Vier Fünftel der Belegschaft in Hannover arbeitet nun nur noch an vier Wochentagen, kaufmännische Abteilungen eingeschlossen. „Nur die Entwicklungs- und die Marketingabteilung sind noch in voller Stärke aktiv“, sagt Firmenchef Güner.

Er würde es begrüßen, wenn die Politik Regelungen aus der großen Krise wieder aufleben lassen würde. Damals brach die Nachfrage innerhalb weniger Wochen um 50 Prozent ein. Die Bundesregierung verlängerte die Kurzarbeit auf zwei Jahre, nach sechs Monaten übernahm zudem die Arbeitsagentur die Sozialversicherungsbeiträge. Damals konnte Komatsu Hanomag seine Stammbelegschaft komplett halten.

„Das ist auch jetzt unser erklärtes Ziel“, betont Güner. Denn wenn wieder mehr Aufträge kommen, werden die qualifizierten Fachkräfte sofort dringend gebraucht. So war es 2011, als die Konjunktur rasant anzog: Die Nachfrage stieg in kürzester Zeit um 30 Prozent.

Heute geht Güner davon aus, dass sich die Märkte frühestens Ende 2014 wieder normalisieren. „Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz“, sagt er, „aber ohne Hilfe wird es schwer.“

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