Blütenträume

Falsche Fuffziger im Visier


Jede Blüte wird erkannt – sagen Bundesbank-Experten

Auf einer Banknote Musik machen? Geht ganz einfach. Wer mit dem Fingernagel über das schraffierte Feld neben der großen Wertzahl reibt, der hört typische Töne. Und hat nebenbei das niedlichste der vielen Sicherheitsmerkmale im Euro-Schein entdeckt.

Von dem versteckten Klang weiß freilich kaum einer, was Roland Müller nicht wundert: „Die wenigsten Leute kennen ihre Banknoten genau“, sagt der Sachverständige für Fälschungen bei der Deutschen Bundesbank. Dass wir den kunstvoll konstruierten Scheinen nicht mehr Blicke gönnen als nötig, findet Müller schade. Dabei ist unser Desinteresse ein verstecktes Lob für die Blüten-Jäger: Dass wir täglich ohne Kontrolle bunt bedrucktes Papier in der Geldbörse verstauen, beweist unser Vertrauen in die Echtheit der Scheine.

Begründetes Vertrauen

Das Vertrauen ist begründet, wie die Statistik zeigt. Im Laufe eines Jahres kommen auf 10.000 Bundesbürger, die jeweils Hunderte von Scheinen ausgeben, insgesamt nur fünf Blüten. Rainer Elm, Leiter des Nationalen Analysezentrums der Bundesbank in Mainz, betont: „Die Zahl der Fälschungen im Umlauf ist relativ gering – und jede falsche Note wird in wenigen Tagen durch die Banken oder die Bundesbank aussortiert.“ Meistens automatisch, während der maschinellen Geldbearbeitung.

Die Banken, aber auch die Polizei informieren dann die Bundesbank: „Wir analysieren die Fälschung“, sagt Elm, „wir fragen uns: Wie ist sie hergestellt worden? Ist sie schon bekannt?“ Bedeutsame neue Fälschungen werden genau beschrieben und europaweit einheitlich klassifiziert. Exemplare aus Tausenden solcher „Fälschungsklassen“ sind schon in Deutschland aufgetaucht. Die meisten stammen aus Süd- und Osteuropa. Deutsche Fälscherwerkstätten gibt es praktisch nicht: „Hier wird nur verteilt“, weiß Elm.

Mit Abstand am häufigsten wird der 50-Euro-Schein nachgeahmt. Entsprechend oft taucht er in der Falsifikate-Sammlung der Experten auf. Die birgt auch skurrile Stücke: Mit Buntstift handgemalte Scheine etwa oder Farbkopien. Ernster nahmen die Experten da schon den 300-Euro-Schein: Dieser Scherzartikel sah zu echt aus „und wurde rund 50 Mal in Geschäften angenommen“, wie sich Müller erinnert.

Geschickt gemachten Blüten versagen die Profis eine gewisse handwerkliche Anerkennung nicht – aber aus einer sicheren Überlegenheit heraus: „Es gibt bisher keine Fälschung, die bei genauerer Betrachtung nicht relativ einfach erkannt wird“, betont Elm.

Damit das so bleibt, wird hinter den Kulissen schon an der nächsten Euro-Serie getüftelt, die mit neuen Tricks den Fälschern das Leben noch schwerer machen soll. Denkbar wäre zum Beispiel ein durchsichtiges Fenster. „Das ist wie beim Auto“, erklärt Elm, „das nächste Modell ist immer schon in Vorbereitung.“

Ans Auto erinnert Elm auch bei der Frage, wann Otto Normalverbraucher besonders aufpassen muss: „Bei einem Auto-Verkauf sollten Sie echte Noten dabei haben, als Vergleichsmöglichkeit.“ Wo sonst nimmt man viele große Scheine aus unbekannter Hand? Wenn die dann nicht echt sind, ist der Schaden groß: Für Falschgeld gibt es keinen Ersatz. Wer es weitergibt, macht sich strafbar. Zumindest jede größere Note sollte man daher kurz prüfen.

Sorglos im Supermarkt

Etwas sorgloser kann man im Supermarkt sein: „Meist bezahlen Sie mit einem Fünfziger aus dem Geldautomaten und bekommen kleinere Scheine als Wechselgeld“, erklärt Elm, „einen falschen Fünfziger bekommen Sie also kaum aus der Supermarktkasse.“

Aber wie sicher sind die Geldautomaten? Immer wieder gab es Schlagzeilen über Blüten aus der Bank, einmal sogar über einen Bank-Kassierer, der mit Fälschern gemeinsame Sache machte. „Wir hatten rund 100 Verdachtsfälle“, bestätigt Elm, „aber es gibt nicht einen unzweifelhaft nachweisbaren Fall, in dem Falschgeld aus einem Automaten kam.“

Die Verbraucher können also beruhigt schlafen – und sich vorher vielleicht noch ein lehrreiches Vergnügen gönnen, wie es Falschgeld-Fachmann Müller vorschlägt: „Einfach mal abends in Ruhe bei gutem Licht einen Schein aus der Geldbörse nehmen und angucken.“

Kontrolle auf die Schnelle

Unsere Scheine sind mit verschiedenen Sicherheitsmerkmalen bestückt. Für den ganz schnellen Test einer Euro-Banknote genügt aber schon diese kleine Auswahl:

  • Kippen Sie den Schein bei gutem Licht hin und her! Das auf silbernem Untergrund geprägte Hologramm muss sich deutlich verändern – mal zeigt es den Wert der Note an, mal nicht, und dabei bietet es einen leicht schillernden Effekt. Schon diesen Test besteht kaum eine Fälschung.
  • Drehen Sie den Schein um, kippen Sie ihn erneut! Bei Noten ab 50 Euro muss die fett gedruckte Wertzahl ihre Farbe ändern. Bei kleineren Scheinen muss Ihnen ein bleistiftdicker „Perlglanz“-Streifen in der Mitte der Note auffallen.
  • Halten Sie den Schein kurz gegen das Licht: Sofort sehen Sie im nicht bedruckten Bereich ein großes Wasserzeichen, das auch den Wert des Scheines enthält. Und diese Zahl muss deutlich heller sein als der Rest des Wasserzeichens.

Skurrile Scheinchen

Zwei Ikonen der Geldfälschung, sicher verwahrt bei der Deutschen Bundesbank: ein 1.000-DM-Schein, den der „Blüten-Rembrandt“ Günter Hopfinger vor mehr als 30 Jahren mit der Hand gemalt hatte – und ein 300-Euro-Scherzartikel, der Dutzende gutgläubige Opfer fand.

Warum strahlend sauberes Geld Ärger macht

Sie haben einen Zwanziger in der Hosentasche vergessen. Verblüfft entdecken Sie Tage später, dass das gute Stück in Ihrer Jeans die Waschmaschine halbwegs gut überstanden hat. Also zurück damit in den Geldbeutel, richtig? Falsch!

Mag der Schein äußerlich noch in Ordnung sein – die in Waschmitteln üblichen Aufheller haben Ihre Banknote innerlich verändert. Unter ultraviolettem Licht leuchtet der Schein nun strahlend sauber. Und genau das kann zum Problem werden: So hell leuchtet sonst nur Falschgeld.

Denn echte Euro-Scheine bleiben unter der UV-Lampe dunkel – und zeigen ein beeindruckendes Schauspiel: Die blaue Europa-Flagge zum Beispiel leuchtet grün, die Sterne strahlen in verschiedenen Farben. Und nur unter UV-Licht sind kleine, ins Papier gestreute Fasern zu sehen.

Die meisten Blüten dagegen offenbaren sich unter den kritischen Lichtstrahlen auch dem ungeschulten Auge: Vom bunten Auftritt ist nichts zu sehen, von leuchtenden Faser-Sprenkeln keine Spur.

Kommt nun ein derart banal wirkender Schein einer geschulten Kassiererin in die Finger, greift die nach dem UV-Test sofort zum Telefon. Ob die Polizei Ihnen dann glaubt, dass Sie nicht Falschgeld loswerden wollten, sondern Opfer ihrer eigenen „Geldwäsche“ sind? Das könnte ein Weilchen dauern. Den gewaschenen Zwanziger sollten Sie daher am besten bei Ihrer Bank umtauschen.

Übrigens: Bleibt ein Schein unter UV-Licht dunkel, beweist das nicht, dass er echt ist. Manche Fälscher haben schon Blüten gedruckt, die den flüchtigen Test an der Supermarktkasse überstehen würden. Im Visier eines Experten freilich haben auch solche Fälschungen keine Chance.

Fotos: Eifrig (8)

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