Sozialpolitik

„Fair Play“ in der Chemie


Firmen-Ethik steht im Mittelpunkt der 7. Wiesbadener Gespräche

Der globale Wettbewerb ist hart. Wer überleben will, braucht wirtschaftlichen Erfolg. Doch wie im Sport muss „Fair Play“ auch in der Sozialen Marktwirtschaft das oberste Gebot sein. In der Chemie-Branche haben die Sozialpartner deshalb 2008 mit dem Wittenberg-Prozess einen „Ethik-Pakt“ geschlossen. Darum geht es auch bei den 7. Wiesbadener Gesprächen zur Sozialpolitik am 21. Juni, zu denen der Arbeitgeberverband HessenChemie einlädt.

Manager müssen sich verantwortlich fühlen

Wovon hängt die Zukunft der deutschen Wirtschaft ab? „Von der Mobilisierung der Ressource Mensch in all seinen Facetten“, sagt Professor Josef Wieland, Direktor des Konstanz-Instituts für Werte-Management.

Unternehmen müssen „Tugenden“ aufweisen: „Werte wie Integrität, also Rechtschaffenheit und Fairness im Umgang miteinander sind gefragt“, sagt Wieland. Und: „Manager müssen sich verantwortlich fühlen für das, was in der Welt passiert – von Umweltverschmutzung bis Kinderarbeit. Und weltweit dafür sorgen, dass gewisse Standards eingehalten werden!“

Daran arbeitet die Chemie-Branche. Der Wittenberg-Prozess enthält wichtige „Spielregeln“, die bei vielen Firmen längst zum Alltag gehören. Wie zum Beispiel bei Pharma- und Medizintechnik-Hersteller B.Braun Melsungen in Melsungen.

Know-how sichern

Nur dauerhaft erfolgreiche Unternehmen können auf lange Sicht forschen, investieren und sichere Arbeitsplätze bieten. Das „Firmen-Wissen“ muss kontinuierlich erhalten bleiben. Bei B.Braun hilft dabei die Betriebsvereinbarung „Teilzeit 60Plus“.

„Sie ermöglicht älteren Arbeitnehmern einen flexiblen Übergang in die Rente“, erklärt Personalleiter Jürgen Sauerwald. Man kann bis zu vier Jahre in 50 Prozent Teilzeit arbeiten, vergütet werden aber 80 Prozent vom Brutto. Sauerwald: „Durch diese Zeit des Übergangs verlieren wir nicht auf einen Schlag wichtiges Erfahrungswissen.“

Nachhaltigkeit

Genauso wichtig wie den Firmenerfolg nimmt B.Braun den Schutz von Gesundheit und Umwelt sowie die Sicherheit von Mitarbeitern, Anwendern und Nachbarn. Auch die Familie wird unterstützt: Dank einer Betriebsvereinbarung kann man seine Arbeit bis zu fünf Jahre lang reduzieren, um Kinder zu betreuen oder Angehörige zu pflegen. Dabei hilft eine zusätzliche Vergütung der Firma.

„Der Wittenberg-Prozess ist keine theoretische Sache“, findet der Betriebsratsvorsitzen-de Peter Hohmann. Für ihn ist klar: „Werteorientierung und wirtschaftlicher Erfolg sind die zwei Seiten einer Medaille.“

Mehr „Spielregeln“:

Weitere Leitlinien sind zum Beispiel eine vernünftige Balance aus Ökonomie, Ökologie und Sozialem.

Gute Arbeit soll von Respekt, Fairness, Vertrauen und Verantwortung geprägt sein. Zudem sind Qualifikation und Engagement für nachhaltigen Erfolg unerlässlich. In der Globalisierung soll es fair zugehen.

www.wiesbadenergespraeche.de

 

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