Gefährliche Entwicklung in Deutschlands Schlüsselindustrie

Fachkräftemangel: Die MINT-Lücke ist so groß wie noch nie

Das ist neu: In den Metall- und Elektroberufen gibt es mehr gemeldete offene Stellen als Arbeitslose! Zugleich ist die sogenannte MINT-Lücke so groß wie noch nie. Worum geht es da – und warum ist das ein Problem?

Mehr wären besser: Mitarbeiter auf dem Weg in den Betrieb. Foto: Mauritius

Mehr wären besser: Mitarbeiter auf dem Weg in den Betrieb. Foto: Mauritius

Berlin. In Deutschlands wichtigstem Industriezweig Metall und Elektro (M+E) läuft es recht ordentlich. Es könnte aber noch besser laufen – wenn es mehr gute Leute gäbe! Der Fachkräftemangel wird zum Problem für die Unternehmen. Das zeigen statistische Rekorde und Umfragen unter den Betrieben.

„Auf dem Arbeitsmarkt wird die Anspannung deutlich sichtbar“, konstatiert der Arbeitgeberdachverband Gesamtmetall in Berlin, „inzwischen übertrifft die Zahl der gemeldeten offenen Stellen in den M+E-Berufen die Zahl der Arbeitslosen.“

Die Rente mit 63 wirkt sich negativ aus

Rein rechnerisch gibt es also in branchentypischen Berufen – von der Metallerzeugung über den Automobil- und Anlagenbau bis zur Informatik oder Feinoptik – keine Arbeitslosen mehr! Dazu muss man wissen, dass nicht alle offenen Stellen der Bundesagentur für Arbeit gemeldet werden und das Problem daher noch größer sein dürfte, als die Daten zeigen.

Einen aus Sicht der Betriebe traurigen Rekord meldet auch das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW): Die seit 2011 berechnete „MINT-Lücke“ ist so groß wie noch nie. Im Juli fehlten bundesweit rund 263.000 Arbeitskräfte mit einer Qualifikation im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Dabei geht es nicht etwa nur um Akademiker: Die MINT-Lücke im Bereich der Facharbeiter liegt bei 123.000 Kräften und ist fast doppelt so groß wie vor zwei Jahren. „Das ist auch eine Folge der politischen Fehlentscheidung für eine neue Frührente, die Rente mit 63“, sagt IW-Ökonom Oliver Koppel.

Eine Trendwende sei nicht in Sicht: „Trotz deutlich gestiegener Studierendenzahlen haben MINT-Absolventen beste Aussichten“, betont Koppel. „Und auch für Facharbeiter gilt: Wer in der Industrie gefragte Qualitäten mitbringt, hat einen Job sicher.“

Die Kehrseite der Medaille zeigte gerade eine Umfrage unter bayerischen M+E-Unternehmen auf. 28 Prozent sehen ihre Produktion „erheblich beeinträchtigt“, weil Arbeitskräfte fehlen. Auch das: ein Rekordwert. Vor diesem Hintergrund ist es für Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger völlig unverständlich, dass die Gewerkschaft IG Metall offenbar mit der Forderung nach kürzeren Arbeitszeiten in die Tarifrunde ziehen will.

„In einigen Regionen können wir neue Arbeitsplätze und Lehrstellen schon jetzt nicht besetzen“, sagt Dulger, „jedwede Reduzierung der Arbeitszeit würde bedeuten, den Fachkräftemangel mutwillig und unverantwortlich zu verschärfen.“ Und das würde den wirtschaftlichen Erfolg im Lande nachhaltig gefährden.


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Auf den Fachkräftemangel antworten viele Mittelständler sehr einfallsreich – Stangl & Co. zum Beispiel oder Dossmann. Das eröffnet manchen Menschen ganz neue Chancen. Oder verhilft schon Azubis zu einem Dienstwagen.

Ein Studienabbruch sei auch eine Chance, „einen eingeschlagenen Bildungsweg zu korrigieren“, sagt Margit Ebbinghaus, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn. Und wie sehen die Betriebe das?

Damit ist Deutschland Spitzenreiter in der Euro-Zone: Immer mehr Ältere arbeiten. Von 2005 bis 2015 stieg die Erwerbstätigenquote bei den 55- bis 59-Jährigen von 64 auf 77 Prozent und bei den 60- bis 64-Jährigen von 30 auf 53 Prozent.

In Bayern arbeiten rund 185.000 Menschen mit Schwerbehinderung. Das ist fast ein Drittel mehr als noch vor zehn Jahren. AKTIV zeigt ihren Alltag im Job und wie die Betriebe sie unterstützen.

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