Arbeitsmarkt

Fachkräfte-Zuzug hilft Arbeitslosen


Am liebsten die Tür vernageln: Die Mehrheit der Bürger will die Fachkräftelücke am liebsten mit Inländern füllen. Karikatur: Tomicek

Regierung will Regeln lockern – trotz der Skepsis vieler Bürger

Berlin. Mitte des Monats wollen die Spitzen der Regierungsparteien ein heikles Thema anschieben: Trotz der immer noch 2,9 Millionen Arbeitslosen sollen mehr ausländische Fachkräfte ins Land.

Überfordert die Politik den deutschen Michel? Der will die Tür zum Arbeitsmarkt zuhalten. „72 Prozent der Bürger“ wollen die viel diskutierte Fachkräf­te­lücke ausschließlich mit Inländern füllen, weiß Professorin Renate Köcher, Leiterin des Meinungsforschungsinstituts Allensbach: „Sie sind dafür, benötigte Arbeitskräfte verstärkt selbst auszubilden.“

Nur ein Teil der Lösung

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen sieht das differenzierter: „Wir müssen alles tun, um unsere Arbeitslosen zu qualifizieren – aber damit allein fangen wir den Fachkräfteschwund nicht auf.“ Nötig seien daher qualifizier­te Zuwanderer, „die auch für andere Arbeit schaffen“.

Dass das geht, bestätigt der Chef des Deutschen Ins­tituts für Wirtschaftsforschung in Berlin,  Professor Klaus Zimmermann: „Fachkräfte-Zuwanderung hilft gegen Arbeitslosigkeit.“ Wo Fachkräfte fehlen, gebe es auch sonst weniger Jobs. „Um jeden qualifizierten Arbeitsplatz herum braucht man viele andere.“

Und mehr Einfach-Arbeit wäre nötig. Laut Statistik haben 1,2 Millionen Arbeitslose gar keine  Ausbildung.

Zudem sind nur 31 Prozent der Hartz-IV-Bezieher be­reit, für eine Stelle umzuziehen. Das ermittelte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg. Zuwanderer sind mobiler. Wenn sie denn kommen dürfen (und wollen).

Wie dringend die Wirtschaft Fachkräfte braucht, belegt eine neue Studie der DZ-Bank in Frankfurt, des Spitzeninstituts der Volks- und Raiffeisenbanken. Da­nach kann jede dritte mittelständische Firma  „aktuell offene Stellen nicht besetzen“, jede 14. musste deshalb sogar schon „Aufträge ab­lehnen“.

Dass Zuzug nur ein Teil der Lösung ist, muss man den Firmen nicht groß sagen. Was bessere Weiterbildung angeht, so die DZ-Bank, „sehen sich 84 Prozent selbst in der Pflicht“.

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