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Immer mehr offene Stellen in Deutschland

Fachkräfte: Was Brose alles tut, um gute Leute zu finden

Rund 1,2 Millionen Stellen sind hierzulande unbesetzt. Der demografische Wandel wird das Problem verschärfen. Da müssen sich Firmen was einfallen lassen, um an Fachkräfte zu kommen. Der Fahrzeugzulieferer Brose tut das.

Topfit: Katja Höllein (links) trainiert die Muskeln. Coach Anja Marbach achtet auf korrekte Ausführung. Foto: Roth

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Topschick: Im Shop können Mitarbeiter günstig Sportbekleidung kaufen. Foto: Roth

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Topmotiviert: Dorothea Schaufler, Leiterin des Brose Kids Clubs. Foto: Roth

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Jörg Schwitalla: "Durchschnittlich besetzen wir offene Stellen innerhalb von drei Monaten." Foto: Werk

Jörg Schwitalla: "Durchschnittlich besetzen wir offene Stellen innerhalb von drei Monaten." Foto: Werk

Coburg. Der Kaninchenstall war schuld. Kurz nur hatte Katja Höllein den Verschlag im Garten anheben wollen. „War leider schwerer als gedacht“ – Hexenschuss. Inzwischen ist das Kreuz wieder okay. Damit das auch so bleibt, trainiert sie weiter fleißig im Fitnessstudio. In der Mittagspause.

Das Werkgelände des Fahrzeugzulieferers Brose in Coburg muss Höllein, die dort als Ingenieurin ein Team im Bereich Sitzentwicklung leitet, zum Trainieren nicht verlassen: Das Sportstudio gehört zum Unternehmen, ist mit Top-Geräten und Trainern ausgestattet, auch am Wochenende geöffnet. Und für Brose ist es gewissermaßen Teil eines eigenen Trainingsprogramms – im Kampf gegen den Fachkräftemangel. „Den spüren wir“, sagt Jörg Schwitalla, Geschäftsführer Personal. „Umso mehr müssen wir uns als Unternehmen bemühen, für die besten Köpfe attraktiv zu bleiben.“

Fachkräftemangel beeinträchtigt in vier von fünf Firmen die Produktion

Der Fachkräfte-Engpass – in Bayerns Metall- und Elektroindustrie hat er zum Teil dramatische Ausmaße angenommen. In der Folge klagen mittlerweile mehr als 80 Prozent der Unternehmen über eine Beeinträchtigung der Produktion, das ergab die jüngste Konjunkturumfrage des Arbeitgeberverbands. Bundesweit und über alle Branchen hinweg waren laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung 1,2 Millionen Stellen unbesetzt. Und der demografische Wandel wird das Problem noch verschärfen.


Von den Auswirkungen bleibt auch Brose nicht vollends verschont. Zwar profitiere das Unternehmen derzeit noch von der Strahlkraft der Marke Brose, so Personalchef Schwitalla. „Durchschnittlich bekommen wir offene Stellen binnen zwölf Wochen besetzt.“ Aber: „Bei technischen Spezialisten, etwa im IT-Bereich, kann es mittlerweile durchaus etwas länger dauern. Da merkt man, dass es enger ist als vor einigen Jahren.“

Zweisprachige Bildungsangebote für Schulkinder

Das Maßnahmenpaket, das Brose bereits 2001 geschnürt hat, wird ständig weiterentwickelt. Neben dem Fitnessstudio gibt es etwa den „Brose Kids Club“, eine Betreuungseinrichtung für Schulkinder. Diese legt viel Wert auf außerschulische Bildung: „Die Kinder werden hier nicht nur verwahrt, sondern gefördert“, betont Leiterin Dorothea Schaufler. Mit spannenden Angeboten aus Wissenschaft oder Kultur, sogar zweisprachig.

„Wir schauen immer sehr gezielt, in welchen Bereichen wir unsere Mitarbeiter unterstützen können“, sagt Ralf Cornelius, bei Brose zuständig für die Personalentwicklung. Besonders im Fokus dabei: „Wir haben den Anspruch, unsere Mitarbeiter kontinuierlich weiterzuentwickeln. Auch, um Nachfolger für aus Altersgründen ausscheidende Spezialisten aufzubauen.“ Man setzt hier auf eine Vielzahl von Coaching- und Weiterbildungsangeboten.

Zuwanderung kann für Entlastung sorgen

Dass Brose als ein regionaler Leuchtturm mit weltweit 26.000 Mitarbeitern auch künftig gute Fachkräfte findet, daran zweifelt man in Coburg nicht. Doch kleinere Unternehmen, die ihre Belegschaft nicht ganz so umsorgen können, werden auf Maßnahmen hoffen müssen, die der Sachverständigenrat der Bundesregierung schon vor Jahren dringend angemahnt hat. Der Rückgang der Zahl der Erwerbspersonen könne „vermieden werden, wenn es gelingt, die Erwerbstätigkeit von Frauen zu erhöhen und das Renteneintrittsalter hinauszuschieben“. Auch die Zuwanderung von qualifizierten Arbeitskräften könne eine Entlastung bewirken.

Einfach ausprobieren: So trauen sich mehr Mädchen ran an Technik-Berufe

Macht Spaß: Praktisches Arbeiten an der Werkbank – mal was anderes als Schule. Foto: Roth
Macht Spaß: Praktisches Arbeiten an der Werkbank – mal was anderes als Schule. Foto: Roth
  • Rund 100 Schülerinnen kommen jedes Jahr am „Girls’ Day“ (26. April) zu Brose. Sie testen dort einen Tag lang, was man etwa als Mechatronikerin, Elektronikerin oder im Produktdesign macht.
  • Mit dem einwöchigen „Mädchen für Technik-Camp“ der Bayerischen Wirtschaft hat Brose schon einige Mädchen für eine technische Berufsausbildung oder ein duales Studium gewonnen. 

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