Die Zukunft der Produktion

Fachkongress diskutiert Chancen und Herausforderungen der digitalen Fabrik

Hannover. Eine Fabrik, die sich selbst steuert, in der Roboter ihre Arbeit autonom verrichten, miteinander kommunizieren und Aufträge koordinieren: Die vierte industrielle Revolution macht’s möglich. „Industrie 4.0“ kommt in Niedersachsens Metall- und Elektro-Industrie an, der Begriff macht Karriere – und löst Unsicherheit aus. Was bedeutet die vernetzte Produktion überhaupt für die Betriebe?

Darüber diskutierten jetzt rund 300 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft auf der Fachtagung „Von der Vision in die Praxis: Industrie 4.0 für Niedersachsen“. Eingeladen hatten das Niedersächsische Wirtschaftsministerium und der Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall – in das inspirierende Ambiente von Schloss Herrenhausen in Hannover.

Die gemeinsame Einschätzung der Referenten: Die Revolution ist in Wahrheit eher eine Evolution. Also eine allmähliche Entwicklung, die aber mit Wucht „das Gesicht der deutschen Wirtschaft verändern wird“, so der Hauptgeschäftsführer von NiedersachsenMetall, Volker Schmidt.

„Die Wiege von Industrie 4.0 ist Hannover. Von hier aus sollen künftig auch Impulse ausgehen“

In die Öffentlichkeit war der Begriff erstmals auf der Hannover Messe 2011 gerückt. „Die Wiege von Industrie 4.0 ist also in Hannover“, stellte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies heraus. „Von hier aus sollen zukünftig auch Impulse zu dem Thema ausgehen.“ Schließlich steckten, so Lies, in dem Zusammenspiel von computergesteuerten Abläufen in der Industrie große Potenziale, um die Wettbewerbsfähigkeit, den Wohlstand und den Standort Niedersachsen zu sichern.

Voraussetzung ist, dass sich die Betriebe fit für den vom Internet getriebenen Umbruch machen. Digitale Vernetzung der Produktion und Automatisierung der Prozesse – das sei das Gebot der Stunde. „Wer heute sagt: ‚Industrie 4.0 betrifft uns nicht’, ist morgen auf der Verliererseite“, stellte Verbandschef Schmidt mit Blick auf den Mittelstand heraus.

Auch eine starke Individualisierung jenseits der Massenfertigung geht mit Industrie 4.0 einher. So sollen künftig auch kleinste Stückzahlen bis hin zu Unikaten wirtschaftlich produziert werden können. Das berührt maßgeblich die klassischen Stärken der deutschen Industrie: Fertigung hochspezialisierter Nischenprodukte, verbunden mit einer starken Dienstleistungsorientierung.

Trotz der enormen Chancen sind viele Betriebe zurückhaltend. „Nur eine Avantgarde investiert bereits in Industrie-4.0-Lösungen“, sagte Professor Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), in seinem Vortrag. Er mahnte: „Angesichts des Fachkräftemangels brauchen wir entweder mehr Zulauf von außen – oder wir machen die Produktion intelligenter und setzen Standards.“

Allerdings sei, so Hüther, vieles noch zu klären. Wie kann die Datensicherheit gewährleistet werden? Wie lassen sich Standards und Schnittstellen schaffen? Welche Qualifikationen benötigen die Mitarbeiter? In einem Experten-Talk und vier Fachforen wurde das weiter diskutiert.

Für Investitionen in Industrie 4.0 sagte Wirtschaftsminister Lies den Firmen Unterstützung zu, etwa durch Beratung und Fördermittel.


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