Lebensmittel

„Extrem günstige Preise“


Warum wir für Essen und Trinken vergleichsweise wenig ausgeben müssen

Die Lebensmittelpreise: Andernorts sind sie viel höher als bei uns. Muss sich die EU deswegen einmischen – und wird es dann am Ende bei uns teurer? Wir fragten Sabine Eichner Lisboa, Geschäftsführerin bei der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie.

AKTIV: Die EU nimmt jetzt die Lebensmittelpreise unter die Lupe. Gut für uns?

Eichner Lisboa: Nein, aus deutscher Sicht gibt es da gar keinen Handlungsbedarf. Unsere Verbraucher können sich über im internationalen Vergleich extrem günstige Preise freuen. Wir geben deshalb im Schnitt nur 11 Prozent des Haushaltsbudgets für Lebensmittel und Getränke aus! In Frankreich sind es 13 Prozent, in Italien 19 Prozent. Und in anderen Ländern wie etwa Polen sogar noch mehr ...

AKTIV: ... was aber auch am dortigen Einkommen liegt?

Eichner Lisboa: Ja. Wer weniger verdient, der gibt automatisch einen höheren Anteil seines Einkommens für die Lebensmittel aus.

AKTIV: Und warum sind die Preise bei uns so niedrig?

Eichner Lisboa: Das liegt am knallharten Wettbewerb sowohl in der Industrie als auch im Handel. Wir haben sehr starke Discounter mit einem Marktanteil von zusammen 44 Prozent, die die Preislinien vorgeben. In den anderen EU-Staaten ist die Macht der Discounter deutlich geringer als bei uns.

AKTIV: Nun stößt sich die EU-Kommission an den international stark unterschiedlichen Preisen. Die Differenz betrage bei Eiern oder Eis rund 50 Prozent ...

Eichner Lisboa: Na und? Die Märkte ticken eben unterschiedlich. Es gibt ja auch für Produkte anderer Branchen keine Einheitspreise in Europa. Gleichgeschaltete Preise, Planwirtschaft? Das kann es ja wohl nicht sein!

AKTIV: Was die EU konkret angekündigt hat, ist zum Beispiel ein genaues „Preis-Monitoring“. Was halten Sie davon?

Eichner Lisboa: Das wird bei uns keine großen Auswirkungen haben, der Wettbewerb funktioniert ja. Klar ist aber: Billiger können Lebensmittel kaum noch werden. Und klar ist auch: Die Verbraucher wie die Bauern müssen sich auf häufigere Preisschwankungen einstellen – nach oben wie nach unten.

AKTIV: Das schwierige Jahr 2009 neigt sich dem Ende zu. Wie steht denn Ihre Branche da, die Ernährungsindustrie?

Eichner Lisboa: Uns geht es vergleichsweise gut – unsere Produkte müssen ja immer konsumiert werden, und die Exportquote liegt noch unter 30 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr haben wir stabile Mengen, aber wegen der gesunkenen Preise etwas weniger Umsatz.

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Schlagwörter: Private Finanzen

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