Welthandel

Export in Gefahr


Auto-Export in Bremerhaven: Fast neun Millionen Arbeitsplätze in Deutschland hängen an der Ausfuhr. Foto: dpa

Was das Scheitern der „Doha-Runde“ für unsere Arbeitsplätze bedeutet

Genf. Deutsche Autos sind in Thailand schwer verkäuflich. 80 Prozent wird bei der Einfuhr eines Mittelklassewagens als Zoll draufgeschlagen. Der Satz sollte auf vergleichsweise erträgliche 18 Prozent sinken – eigentlich. Aber Ende Juli ist der weltweite Abbau von Handelshürden gescheitert, um den rund 150 Staaten seit sieben Jahren im Rahmen der sogenannten Doha-Runde gerungen hatten.

„Alles, was schon verhandelt war, wird jetzt erst einmal nicht verwirklicht“, erklärt Georg Koopmann, Experte beim Forschungsinstitut HWWI in Hamburg. Schlimmer noch: Es sei absehbar, „dass jetzt zweiseitige Abkommen wie die Pilze aus dem Boden schießen“.

Japan trumpft auf

Was das für die deutsche Industrie bedeutet, zeigt das Beispiel des thailändischen Auto-Markts. Japan wird dort, das wurde soeben in einem zweiseitigen Abkommen vereinbart, in absehbarer Zeit von starken Zollsenkungen profitieren: schon 2009 um ein Viertel.

Die Folge: Toyota & Co. werden dort wohl bald deutlich mehr Autos liefern als bisher. Obendrein dürfen sie künftig zollfrei Auto-Teile an eigene Werke vor Ort versenden – anders als zum Beispiel Mercedes und BMW, die in den 90er-Jahren große Fabriken in Thailand errichtet haben und die für ihre eigenen Teile-Lieferungen weiter kräftig an der Grenze abkassiert werden.

Ähnliche Deals gibt es mit einer Reihe weiterer Boom-Länder in der Region. Da ist Japan „ein Coup gelungen“, urteilt das Magazin „Wirtschaftswoche“ angesichts dieser Wettbewerbsverzerrung: Der richtige Riecher der Regierung in Tokio „verschafft der Industrie Zugang zu einem Markt mit mehr als 500 Millionen Verbrauchern“.

Auch China, Indien und die USA verhandeln längst intensiv an ähnlich exklusiven Marktzugängen. Weltweit gab es seit 1995 mehr als 250 solcher Separat-Abkommen; Tendenz stark steigend. Doch deutsche Politiker haben sich in dieser Hinsicht bislang brav zurückgehalten. Sie setzten auf den großen Durchbruch bei multilateralen Gesprächen, also den Gesprächen fast aller wichtigen Länder, im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO.

Man sollte jetzt nicht in „Panikreaktionen“ flüchten, beharrt Bernd Pfaffenbach, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, der für Deutschland bei den jetzt gescheiterten WTO-Gesprächen in Genf teilnahm. „Ein Dschungel an bilateralen Handelsabkommen wird nicht für den notwendigen Schwung im Welthandel sorgen.“

Politiker müssen umdenken

Viele aus der Wirtschaft sehen das anders. Deutsche Politiker müssten sich mehr kümmern, ist zu hören, und sich stärker in die Materie des globalen Pokers um Handelsverträge einarbeiten. „Nennen Sie mir doch einen Parlamentarier, den man – noch dazu mit gutem Englisch – in die komplexen Verhandlungsrunden zu diesem Thema schicken kann“, sagt der Vorstand eines der größten deutschen Unternehmen, der mit dieser Kritik anonym bleiben möchte.

Es geht nicht um Peanuts: Die deutsche Exportwirtschaft, letztes Jahr rund 970 Milliarden Umsatz schwer, sichert bundesweit fast neun Millionen Arbeitsplätze.

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