Gefahr für den Wohnungsbau

Experten warnen vor der Mietpreisbremse


Regensburg. Wer jetzt eine neue Wohnung braucht, den erwarten lange Schlangen beim Besichtigungstermin, und die Suche kann sich in die Länge ziehen. In Städten wie Münster, Frankfurt und München sind Wohnungen knapp – und teuer. Oft zahlt der neue Bewohner 30 bis 40 Prozent mehr Miete als sein Vorgänger.

Die Politik will nun gegensteuern: Sie will die Mieten, die bei bestehenden Vertragsverhältnissen nur um maximal 20 Prozent innerhalb von drei Jahren steigen dürfen, nun auch bei Neuvermietung deckeln. Kanzlerkandidat Peer Steinbrück fordert das und neuerdings auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Doch Experten warnen: Dadurch wird das Problem nur verschärft!

„Eine Mietpreisbremse schreckt Investoren ab“, erklärt Steffen Sebastian, Professor für Immobilienfinanzierung an der Uni Regensburg. „Es werden weniger Mietwohnungen gebaut, und die Schieflage auf dem Markt verschlimmert sich.“ Der Mann vertritt keine Einzelmeinung: In einer Umfrage unter 91 Wirtschaftsprofessoren lehnten kürzlich 68 die Mietpreisbremse genau aus diesem Grund ab.

10 Prozent höher als die ortsübliche Vergleichsmiete – das soll bei einer Wiedervermietung demnächst das Maximum sein. Zwar bleiben Neubauten ausgenommen. „Aber weil Investoren für Zeiträume von 30 Jahren kalkulieren, wird das zarte Pflänzchen Neubau trotzdem durch die Preisbremse extrem gefährdet“, warnt Sebastian.

Der Wohnungsbau hat sich nämlich gerade etwas erholt (Grafik). Die Politik müsste eigentlich alles tun, um Investoren zu ermuntern, denn die Zahlen liegen immer noch weit unter dem langjährigen Mittelwert.

Soziale Härtefälle durch Wohngeld mindern

„500.000 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern fehlen in den Ballungsräumen“, so Axel Gedaschko, Präsident des immobilienwirtschaftlichen Verbands GdW. Deshalb sollten die Städte Baulücken besser nutzen. Die Länder sollten die 518 Millionen Euro Wohnraumförderung vom Bund „zweckgebunden einsetzen“. Und bessere Abschreibungsregeln sollten mehr zum Bauen reizen.

„Viele Wohnungen sind der beste Schutz vor hohen Mieten“, sagt Uni-Professor Sebastian. Soziale Härtefälle könne man besser durch Wohngeld mildern. Übrigens gebe es das Problem nur in einigen Städten. „Vier Fünftel der Bevölkerung sind davon nicht betroffen.“

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