Blackout-Gefahr

Experten warnen: Ohne neue Kraftwerke drohen Stromausfälle in ganz Europa

Hamsterrad: Immerhin verlässlicher als so manches Windrad. Fotos: Masterfile, Fotolia

Paris. Er läuft und läuft und läuft – wenn doch einfach der Hamster alle unsere Probleme lösen würde! Aber mal im Ernst: Ungefähr so naiv wie auf dem Bild oben geht man inzwischen in ganz Europa das existenzielle Thema Stromversorgung an. Das ergibt sich aus einem aktuellen Ausblick der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris.

Der inzwischen europaweite Boom von Windrädern und Solarzellen bringe nämlich eine große Gefahr für die Versorgungssicherheit. „Ihre Leistungsschwankungen“, so analysieren die Experten, „erfordern zusätzliche Kapazitäten, die sich der Produktion der Erneuerbaren flexibel anpassen.“

Bis 2025 müssen 100 Gigawatt stabile Leistung her

Im Klartext: Anders als der unverdrossen rackernde Hamster im Laufrad fallen die Erneuerbaren halt auch mal aus – und das ist nicht zuletzt für die Industrie gefährlich, die oft schon bei minimalen Blackouts ein Riesenproblem bekommt. Deshalb kann der Ökostrom allein nicht ausgleichen, was durch das Abschalten von Kernkraftwerken und durch das Ausrangieren von fossilen Kraftwerken verloren geht.


Laut IEA müssen deshalb bis 2025 neue verlässliche Kapazitäten von 100 Gigawatt her – das entspricht mehr als 200 Gaskraftwerken. „Nur weniger als ein Zehntel davon ist zurzeit im Bau.“ Zudem müssten Stromleitungen auf einer Länge von 6,5 Millionen Kilometern erneuert oder neu verlegt werden. Die Empfehlung der Experten fasst Faith Birol, der Chefökonom der von den Industriestaaten finanzierten Denkfabrik, so zusammen: „Der Markt muss neu gestaltet werden. Sonst gehen die Lichter aus – und das ist kein Witz.“

Unter den aktuellen Bedingungen werden die Stromversorger nämlich kaum genug investieren: Als bloße Lückenfüller für ungünstige Stunden, in denen der Wind wenig bläst oder die Sonne wenig scheint, rechnen sich selbst hocheffiziente Gaskraftwerke schon heute vielfach nicht. Dabei werden sie immer wichtiger – als flexible Ergänzung zum EU-weit angestrebten weiteren Ausbau der Erneuerbaren.

Als ein mögliches Gegenmittel schlägt die IEA für ganz Europa vor, was in Deutschland schon länger diskutiert wird: einen „Kapazitätsmarkt“. Das heißt: Kraftwerksbetreiber würden schon dafür Geld bekommen, dass sie für den Fall der Fälle Leistung bereithalten. Fragt sich bloß: Wer soll das bezahlen?

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