Teurer Deal

Experten warnen: Die neuen Rentenpläne der Regierung drohen die Jüngeren stark zu belasten


Berlin. Andrea Nahles macht Tempo: Zwei Tage nach ihrer Vereidigung als neue Arbeits- und Sozialministerin beriet der Bundestag über den Rentenbeitrag. Er sinkt nicht, wie es aufgrund der guten Beitragseinnahmen der Regel entsprochen hätte, von 18,9 auf 18,3 Prozent. Das jetzt auf den Weg gebrachte Eilgesetz kostet einen Arbeitnehmer mit 40.000 Euro Jahresverdienst 10 Euro netto im Monat.

Denn die Regierung braucht Geld für die höheren Mütterrenten – und für die Rente mit 63. „Am 1. Juli 2014“, sagt die neue Ministerin, „wird ein großer Teil derer, die ihr Leben lang geschuftet haben, im Alter von 63 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen können.“ Zwar steigt die Regelaltersgrenze bis zum Jahr 2031 schrittweise auf 67 Jahre an. Aber eben mit vielen Ausnahmen.

„Das ist die Rolle rückwärts in der Rentenpolitik“, sagt Jochen Pimpertz, Experte beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Es drohe eine neue Welle von Frühverrentungen, wenn die Regierung wirklich jedem, der 45 Beitragsjahre nachweisen kann, den Ausstieg mit 63 schmackhaft mache.

Laut Koalitionsvertrag sollen dabei auch „Zeiten der Arbeitslosigkeit“ mitzählen, mündlich war von „bis zu fünf Jahren“ die Rede. Vielleicht sind es auch mehr: „Da ist noch nichts entschieden“, so Nahles. Laut Regierung könnten schon bei Anrechnung von fünf Jahren 500.000 Arbeitnehmer zusätzlich mit 63 abschlagsfrei in Rente. „Das würde einen erfreulichen Trend umkehren“, fürchtet IW-Experte Pimpertz. „Ältere haben wieder bessere Chancen in den Betrieben – nicht zuletzt deshalb, weil die Politik Abschläge eingeführt und die Rente mit 67 beschlossen hat.“

Der Anteil der Erwerbstätigen bei den 60- bis 64-Jährigen ist doppelt so hoch wie vor zehn Jahren. Der Anteil der Arbeitslosen ist in dieser Altersgruppe kaum höher als im Durchschnitt. Und das durchschnittliche Rentenalter ist seit dem Jahr 2000 von 62 auf 64 Jahre angestiegen. „Wir sind damit eigentlich auf einem guten Weg“, so Pimpertz, „im Rentensystem für die geburtenstarken Jahrgänge vorzusorgen – die in 10 bis 15 Jahren kommen.“

Alfred Garloff vom Nürnberger Wirtschaftsforschungsinstitut IAB gibt noch etwas anderes zu bedenken: „Die Erfahrungen aus den Vorruhestandsregelungen vergangener Jahre zeigen, dass die Menschen die Regelung vorwegnehmen.“ Viele dürften die neue Regelung nutzen, um sich noch früher zu verabschieden: schon mit 61 oder 62. Das führt in der Rentenkasse zwar nicht zu noch höheren Ausgaben – sie darf dafür ja Abschläge berechnen. Aber auf der Einnahmenseite fehlen die Frührentner als Beitragszahler. Schlecht für die Jungen.

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