Falscher Alarm

Experten stellen klar: Pestizid Glyphosat ist „nicht krebserzeugend“

Einsatz auf dem Acker: Das Unkrautbekämpfungsmittel Glyphosat geriet zu Unrecht in die Schlagzeilen. Foto: Getty

Berlin/München. Landwirte versprühen es seit Jahrzehnten auf ihren Äckern, Hobby- und Kleingärtner auf ihren Beeten: das Unkrautbekämpfungsmittel Glyphosat, bekannt auch unter dem Markennamen Roundup. 90 Anbieter weltweit produzieren davon rund 720.000 Tonnen im Jahr. Doch vor ein paar Monaten sorgte die WHO, die Gesundheitsorganisation der Uno, für Schlagzeilen: Sie stufte den Stoff als „wahrscheinlich krebserregend“ ein.

Etliche Umweltverbände stiegen groß in das Thema ein. Doch es ist ein falscher Alarm, wie sich jetzt zeigt.

Mitte November stellte die EFSA, die im italienischen Parma ansässige EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit, klar: „Es ist unwahrscheinlich, dass Glyphosat eine krebserregende Gefahr für Menschen ist.“ Nicht als Reaktion auf die WHO-Einstufung, sondern für die alle zehn Jahre fällige Neubewertung solcher Substanzen, wertete man gut 1.000 einschlägige Studien bis ins Detail aus.

Betraut wurde damit das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin. Ergebnis: „Bei bestimmungsgemäßer Anwendung in der Landwirtschaft ist Glyphosat nicht krebserzeugend.“ Noch deutlicher wird Helmut Greim, emeritierter Toxikologie-Professor der TU München. „An dem Krebsrisiko ist nichts dran.“ Der gefragte Experte – er war erst kürzlich als Sachverständiger bei einer Anhörung zu Glyphosat im Bundestag – sagt: „Die wissenschaftliche Welt kann die Einschätzung der WHO nicht nachvollziehen.“

Pikant: Die „Krebsagentur“, die sich innerhalb der WHO mit dem Thema befasst hatte, stützt sich in ihrer Argumentation nicht auf 1.000 Studien, sondern auf eine Handvoll.

Dahinter stehen vor allem drei Testreihen mit Tieren, die Glyophosat zu fressen bekamen. Aus Sicht der Berliner Experten sind alle nicht stichhaltig: Bei einer war die Dosis zu hoch; bei einer die Bewertung nicht nachvollziehbar; zur dritten hatten die Pestizid-Experten der WHO 2004 geurteilt: Sagt nichts aus!

Für die Uno-Organisation, die als chronisch unterfinanziert gilt, ist die positive Bewertung der EU-Behörde zu Glyphosat eine Klatsche. Und dazu die zweite in kurzer Zeit. Bei ihrer Einschätzung, rote Wurst und rohes Fleisch seien krebserregend, ruderte sie nach Experten-Kritik rasch zurück.

2009 dramatisierte die Weltgesundheitsorganisation das Schweinegrippe-Virus, Länder bunkerten massenweise Impfstoff. Letztes Jahr erkannte sie die Gefahren der Ebola-Epidemie zu spät. Eine von den Mitgliedsstaaten berufene Expertengruppe forderte daraufhin „substanzielle organisatorische Änderungen“.

Die renommierte Organisation, die immerhin die Menschheitsgeißel Pocken ausgerottet hat, steht unter Druck. Im Fall Glyphosat verwickelte sie sich zudem in Widersprüche. Schließlich hatte die hauseigene Pestizid-Arbeitsgruppe die vorliegenden Daten ganz anders bewertet als die alarmistische Krebsagentur. Wie das passieren konnte, soll jetzt eine interne „Task Force“ klären.


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