Geht es der Jugend zu gut?

Experte warnt Eltern vor Folgen des Verwöhnens

Frankfurt. Jeder dritte Ausbildungsplatz in den Betrieben bleibt unbesetzt – weil die Zahl der Schulabgänger sinkt und weil immer mehr Jugendliche studieren. Dieser Trend verstärkt nicht nur den Fachkräftemangel. Er führt auch oft in eine Sackgasse. Ein Drittel aller Universitätsstudenten scheitert.

Eltern mit einem überhöhten Bildungsanspruch seien daran nicht unschuldig, so ein Experte: „Viele denken, ohne Master-Abschluss an der Universität geht heute gar nichts mehr, wenn das eigene Kind im globalen Haifischbecken bestehen soll“, sagt Josef Kraus. Er ist Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Direktor eines Gymnasiums und Autor des Buches: „Helikoptereltern: Schluss mit Förderwahn und Verwöhnung“.

Ein wachsendes Problem seien Eltern, „die wie Helikopter um ihre Kinder schweben und bei jedem Wehwehchen landen, um alles ins Reine zu bringen“, sagte der Pädagoge kürzlich in Frankfurt. Das höre er auch von Arbeitgebern. Schließlich gehen nicht alle überversorgten Kids später studieren.

„Exzessive Verwöhnpädagogik“, so Kraus auf dem Bildungsforum der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände, macht Jugendliche zu „laschen und maßlos anspruchsvollen Selbstlingen“.

Da werden Heranwachsende von ihren Eltern täglich zur Schule chauffiert, da wird über ein fehlendes Salatblatt auf dem in der Pause gekauften Wurstbrot gemeckert. Da klagt eine Mutter über eine schlechte Mathe-Note: „Das kann nicht sein. Wir haben so viel geübt.“

„Wir muten unseren Kindern zu wenig zu“, mahnt der Experte, „weil wir ihnen letztendlich zu wenig zutrauen.“ Das gelte nicht nur für häusliche Pflichten wie Zimmer aufräumen, Pausenbrot schmieren, Abfall rausbringen oder Haustier versorgen.

Auch der „fast täglich bejammerte Schulstress ist aus meiner Sicht in weiten Teilen gefühlter Stress“. Aus der Forschung wisse man, dass es auch „positiven Eu-Stress gibt, der aktiviert und fit hält, und Dys-Stress, der krank macht“. Die Trennline aber sei subjektiv und oft auch eine oktroyierte, also von oben aufgezwungen.

Gut ein Sechstel macht der Anteil der Helikoptereltern aus, schätzt der Pädagoge. Ebenso groß sei die Menge derer, die sich „nullkommanix“ um ihre Kinder kümmern. Die Masse der Eltern sei „kooperativ, vernünftig und verantwortungsbewusst“.


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