Wie lässt sich unser Pflegesystem verbessern und gerechter finanzieren?

Experte rät: Bürger müssen zu einer Pflege-Zusatzversicherung verpflichtet werden


Berlin/Köln. Den Versicherten droht ein weiterer Anstieg des Beitragssatzes zur Pflegeversicherung. Sollte es zu einer Umstellung auf eine Bürgerversicherung kommen, kann der Satz um einen halben Prozentpunkt auf 2,55 Prozent klettern. Bürgerversicherung heißt: Nicht nur Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen ein, sondern auch Selbstständige, Beamte und Abgeordnete. Außerdem werden Miet- und Kapitaleinkünfte einbezogen.

Wenn mehr Menschen einzahlen, müssten eigentlich die Beiträge sinken. Doch weil es künftig verbesserte Leistungen für Pflegebedürftige geben soll, entstehen mehr Kosten.

Vor allem wegen der wachsenden Gruppe der Demenzkranken. Derzeit sind es 1,2 Millionen. Sie waren der Grund für eine Erhöhung des Beitragssatzes um 0,1 Prozentpunkte auf jetzt 2,05 Prozent Anfang dieses Jahres.

„Eine Verbesserung der Pflegeangebote ist dringend nötig“, sagt Steffen Roth vom Institut für Wirtschaftspolitik an der Universität Köln. „Aber es ist der falsche Weg, die Leistungen über höhere Beiträge im bestehenden System zu finanzieren.“ Der Gesundheitsökonom fordert einen Ausstieg aus dem umlagefinanzierten System.

Die steigende Belastung wird vor allem von den Jüngeren getragen

„Die Konzentration auf Lohn- und Renteneinkünfte hat unsinnige Verteilungswirkungen und belastet den Arbeitsmarkt“, erklärt Roth. Außerdem sei das bisherige Modell ungerecht: „Die Zahl derer, die keine entsprechenden Beiträge gezahlt haben und trotzdem das Recht auf Leistungen erhalten, steigt mit jeder Leistungsausdehnung weiter.“

Getragen wird diese steigende Belastung nicht zuletzt von den jüngeren Beitragszahlern. Als Ausweg rät er zu einer kapitalgedeckten Finanzierung. Das heißt: Jeder Bürger wird zu einer privaten Zusatzversicherung verpflichtet, um sich für Zuzahlungen im Pflegefall zu versichern. Damit schließt er später die Lücke zwischen den tatsächlichen Pflegekosten und dem, was die Pflegekasse bezahlt.

„Und das können die meisten aus eigener Tasche bezahlen“, erklärt Roth. Wer dazu nicht in der Lage ist, soll aus Steuermitteln „Hilfe zur Pflege“ erhalten. Der Beitragssatz zur umlagefinanzierten Pflegeversicherung aber müsste nicht mehr ansteigen.

Junge und Alte: Sind zwischen ihnen die Lasten gerecht verteilt?

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