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Falscher Stahl verbaut, stark gestiegener Schwerlastverkehr

Experte Professor Mertens: Warum in Deutschland so viele Fernstraßenbrücken marode sind

„Ein 40-Tonner belastet eine Brücke wie 50.000 Pkws“, so Professor Martin Mertens von der Hochschule Bochum. Folge: kaputte Brücken, jahrelange Baustellen. Aber warum kommt es jetzt so dick? Könnten Reparaturen nicht schneller gehen?

Deutschlands "Brückenpapst": Professor Martin Mertens. Foto: Mioll

Deutschlands "Brückenpapst": Professor Martin Mertens. Foto: Mioll

Bochum. Viele Brücken sind verschlissen, nervenzehrende Sperrungen drohen: Was kommt da auf die Autofahrer zu? Fragen an Professor Martin Mertens, Experte für Statik und Brückenbau an der Hochschule Bochum.

Tagtäglich mehr als 400 Baustellen auf unseren Autobahnen – auch wegen maroder Brücken. Droht der Kollaps?

Fest steht, dass wir mit der Situation wie heute noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte leben müssen. Viele Brücken sind in die Jahre gekommen, die werden einfach alt. Dann stehen Reparaturen und zum Teil auch Neubauten an.

Wie beurteilen Sie den Zustand?

Durchwachsen. Er ist aber nicht mehr ganz so schlimm wie vor fünf, sechs Jahren. Da wurde schon einiges investiert.

Wie sieht die Lage in den einzelnen Bundesländern aus?

In allen Ländern im Westen ist das Problem groß. Im Osten sind die meisten Brücken in einem guten oder sogar sehr guten Zustand. Sie wurden ja erst vor 10, 20 Jahren gebaut.

Warum sind eigentlich so viele Brücken verschlissen?

Wegen der hohen Verkehrsbelastung, vor allem durch die Lkws. Ein einziger 40-Tonner belastet eine Brücke wie 50.000 Pkws! Solch schwere Lastwagen gab es in den 60er und 70er Jahren noch nicht, als das Gros der Brücken geplant und errichtet wurde. Dazu wurde zum Teil falscher Stahl verwendet. Und wir haben es mit konstruktionsbedingten Fehlern zu tun. Damals wusste man es einfach nicht besser.

Macht der Schwerverkehr auch deshalb Probleme, weil er über die äußersten Fahrbahnen rollt?

Ja, genau! Das ist für eine Brücke extrem ungünstig. Das halten die betagten Bauwerke auf Dauer nicht aus. Die Kräfte zehren regelrecht an der Stahlkonstruktion.

Damit war die Freigabe von Standstreifen auf Brücken keine gute Idee.

Es war ein großer Fehler! Das geschah übrigens auch bei der A 40-Rheinbrücke Neuenkamp bei Duisburg. Dies hat den Verschleiß noch beschleunigt.

Hat die Politik zu spät mit Investitionen reagiert?

Ich denke, nicht. Die Politik hat schnell erkannt, wohin das Geld muss. Früher ist sehr viel und schnell gebaut worden. Jetzt sind wir in der Instandsetzungs- und Erneuerungsphase. Und außerdem: Im Rückblick ist man immer schlauer.

Warum dauern manche Ausbau-Projekte so lange?

Das liegt auch an unserem Baurecht. An Bürgerinitiativen, die Einspruch erheben und Vorhaben über Jahre hinauszögern. Es stellt sich die Frage, ob wir uns das noch leisten können. Aber das ist eine andere Baustelle.

Gehen Reparaturen in anderen Ländern schneller?

In den Niederlanden zum Beispiel. Hier wird eine Autobahn einfach mal für ein paar Monate dichtgemacht und im Schnellverfahren auf Vordermann gebracht. In Deutschland wird noch zu viel klein-klein gefummelt. Wir sollten also darüber nachdenken, ob wir unsere Nachbarn zum Vorbild nehmen sollten.


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