Rentendiskussion

Experte gibt Entwarnung


Bernd Raffelhüschen: "Deutschland hat seine Hausaufgaben gemacht"

Freiburg. Schreck für die Dänen: Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen fordert die radikalste Rentenreform in Europa. Weil er das Altersgeld an die steigende Lebenserwartung koppeln will, spekulieren die Zeitungen sogar schon über eine Rente mit 74.

Die deutsche „Rente mit 67“ – nur das erste Scheibchen der Wahrheit?

„Zwei Jahrzehnte ohne Renten-Debatte“

Nun ja. In Dänemark darf man noch mit 60 in den Vorruhestand – da muss ein Regierungschef, wenn er was bewegen will, am Anfang auf den Putz hauen. AKTIV fragte Professor Bernd Raffelhüschen von der Uni Freiburg, einen der profiliertesten Kritiker des deutschen Rentensystems. Er hat eine beruhigende Antwort: „Die Rente mit 67 reicht. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“

Deutschland sei „bei der Sicherung des Rentensystems für die alternde Gesellschaft weiter als die meisten europäischen Länder“, stellt Experte Raffelhüschen klar. „Wir dürfen die hektischen Reformdebatten bei Dänen, Spaniern und Briten mit Gelassenheit verfolgen.“

Denn was andere EU-Staaten jetzt erst diskutieren, hat die damalige Große Koalition bereits 2007 abgehakt: die schrittweise Anhebung der Regelaltersgrenze. In Großbritannien soll sie auf 66 steigen, in Spanien auf 67 – und damit will sich zunächst auch Dänemarks Regierungschef Rasmussen begnügen.

Sein Plan sieht aber überdies vor, dass die Dänen im Durchschnitt nur 15 Jahre lang Rente kriegen – also mit steigender Lebenserwartung immer später mit dem Arbeiten aufhören. Deshalb die Horrorzahl 74.

Doch Raffelhüschen hält dagegen: „Die Rente mit 67 beruht auf fundierten Annahmen – darauf kann man bauen.“ Ab 2012 steigt das Rentenalter wegen der zunehmenden Lebenserwartung stufenweise an, zuerst um einen Monat pro Jahr, später um zwei Monate jährlich. 2031 geht dann der erste Jahrgang mit 67 in den Ruhestand.

„In den nächsten zwei Jahrzehnten brauchen wir über diese Formel nicht mehr zu diskutieren“, legt sich Raffelhüschen fest. Und selbst wenn der Anstieg der Lebenser­wartung so stark ausfällt, dass man dann doch noch mal nachlegt: Auch dann würde die Anpassung auf viele Jahre in die Zukunft verteilt. „Das würde dann voraussichtlich nicht vor 2040 etwas verändern.“

Aber: Mehr privat vorsorgen!

Schönreden will Raffel­hüschen das Thema Rente trotzdem nicht. Angesichts der letzten Reformen müssten die Deutschen mehr privat vorsorgen – vor allem deshalb, weil der „Nachhaltigkeitsfaktor“ den Anstieg der gesetzlichen Rente stark begrenzt. „Die Jüngeren werden von 2035 an nur eine Basisrente erhalten.“ Seine Faustregel: „6 bis 7 Prozent vom Monatsbrutto fürs Alter zurücklegen.“

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