Die Show der Multitalente

„European Coatings Show“: Chemie-Branche zeigt neue Lösungen für Farben und Lacke

Schön aussehen, reicht nicht aus. Farben und Lacke müssen weit mehr können als das. Viele neue Funktionen präsentieren die Partner der Lack- und Farbenindustrie jetzt bei der „European Coatings Show“ in Nürnberg.

Starkes Angebot: Was es bei Lacken und Farben Neues gibt, zeigt sich jetzt auf der „European Coatings Show“. Foto: Fotolia

Starkes Angebot: Was es bei Lacken und Farben Neues gibt, zeigt sich jetzt auf der „European Coatings Show“. Foto: Fotolia

Im Labor von Clariant: Wissenschaftler forschen an neuen Lösungen. Foto: Werk

Im Labor von Clariant: Wissenschaftler forschen an neuen Lösungen. Foto: Werk

Nürnberg. Ob Haushaltsgeräte, Möbel, Fassaden, Dächer, Fußböden, Industrieanlagen oder Containerschiffe: Überall im Alltag begegnen uns lackierte Gegenstände und farbige Anstriche. Raffinierte Beschichtungen schützen etwa vor Rost – bundesweit bewahren sie etwa 120.000 Brücken vor dem Verfall und verhindern Schäden an rund 60 Millionen Auto-Karosserien.

Dass die Materialien noch viel mehr können, zeigen die Lieferanten und Partner der internationalen Lack- und Farbenindustrie jetzt auf der „European Coatings Show“ in Nürnberg (4. bis 6. April). Mehr als 1.100 Aussteller aus rund 40 Ländern präsentieren ihre Neuheiten rund um die Herstellung von Lacken und Beschichtungen. Mit dabei: Chemie-Unternehmen wie die BASF aus Ludwigshafen, Wacker Chemie aus München, Byk-Chemie aus Wesel, Clariant aus Sulzbach und Evonik aus Essen.

Kratzfest, Schmutz abweisend, witterungsbeständig: „Farben und Lacke sollen immer mehr Funktionen übernehmen“, sagt Michael Hilt, Leiter der Forschungsgesellschaft für Pigmente und Lacke in Stuttgart. Möglich machen das unter anderem die Zusatzstoffe (Additive) der Chemie-Industrie. Sie sind das Salz in der Suppe und bestimmen die für den Laien „unsichtbaren“ Eigenschaften der Formulierungen.

Erneuerbare Rohstoffe stehen im Fokus

So halten beispielsweise Anstriche mit antimikrobieller Wirkung Wände und Decken in Krankenhäusern frei von Keimen. Wie das geht? Integrierte Silber-Ionen töten Bakterien ab, ohne sich dabei zu verbrauchen. Dank Metalloxid-Pigmenten wiederum besitzen Fassadenfarben die Fähigkeit, Licht zu reflektieren und so im Sommer den Energieverbrauch durch Klimaanlagen zu reduzieren.

Andere Lösungen sind noch in der Mache: Forscher tüfteln beispielsweise an Rezepturen, die die Eisbildung an Windkraftanlagen und auf Flugzeugoberflächen verhindern könnten. Schmutz abweisende Antifingerprint-Lacke wiederum sollen eines Tages den Touchscreen vom Smartphone sauber halten.

Auch in puncto Optik entwickelt sich die Branche weiter. Neue Pigmente lassen Lacke kräftig schillern oder in wechselnden Farben erscheinen. „Der Verbraucher legt großen Wert auf Individualität“, erläutert Hilt. „Neue Farbabstufungen und -effekte machen Konsumgüter attraktiver.“

Stark im Fokus der Leistungsschau steht zudem das Thema Umweltschutz. Neue Labor- und Produktionstechnologien sollen Energie und Ressourcen und somit Kosten einsparen. Immer mehr Lackhersteller setzen zudem auf erneuerbare und biobasierte Rohstoffe. „Wir beobachten auch, dass immer mehr Produkte wasserbasiert, also praktisch lösemittelfrei sind“, ergänzt Hilt.

In Deutschland beschäftigt die Branche übrigens laut dem Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL) in Frankfurt rund 25.000 Mitarbeiter, die 2016 knapp über 8 Milliarden Euro Umsatz erwirtschafteten. 2,6 Millionen Tonnen Lacke, Farben und Druckfarben wurden produziert, davon rund 1,8 Millionen Tonnen hierzulande weiterverarbeitet.

„2016 war für die Branche eher ein durchschnittliches Jahr“, resümiert VdL-Hauptgeschäftsführer Martin Engelmann. Einzelne Marktsegmente entwickelten sich sehr unterschiedlich: Während die Umsätze mit Baufarben und Industrielacken jeweils um mehr als 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr wuchsen, sank der Umsatz der Druckfarben um 3 Prozent.

Immerhin: Für 2017 zeigen sich die Hersteller leicht optimistisch. Einen Dämpfer gibt es dennoch: Seit Jahresbeginn ziehen die Rohstoffpreise stark an. Der Preis etwa für Bindemittel lag im Februar gut 6 Prozent höher als im Sommer 2016. Schwierig für die Branche: „Der Rohstoffeinkauf macht in der Herstellung im Schnitt 52 Prozent der Gesamtkosten aus“, erläutert VdL-Chef Engelmann.

Neuheiten

Raffinierte Lösungen für die Bau- und Fahrzeug-Industrie


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