Der darf das!

Europas Zentralbankchef Draghi pumpt riesige Summen in Krisenstaaten

Währungshüter: EZB-Chef Mario Draghi. Foto: Getty

Frankfurt/Berlin. Der Mann mit der randlosen Brille wagt einen mutigen Schritt: Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank, lässt die EZB Staatsanleihen von Krisenländern kaufen. Für mehr als 1.000 Milliarden Euro! Hoch verschuldete Staaten wie Griechenland, Spanien, Italien oder Frankreich können dadurch billiger an Kredite kommen – und ihre Wirtschaft ankurbeln.

Schließlich kann ein Staat, wenn er Geld braucht, nicht einfach zu einer Geschäftsbank gehen. Also gibt er Anleihen aus. Weil Investoren nicht allzu viel Vertrauen in die von Krisen gebeutelten Staaten haben, müssen diese hohe Zinsen bieten. Eigentlich.

Zentralbankchef Draghi aber verteilt durch seine Entscheidung das Risiko auf alle Euro-Staaten. Entsprechend sinken die Zinsen.

Kritische Stimmen ließen nicht lange auf sich warten: Macht Draghi es den schwachen Ländern leichter, weiterhin über ihre Verhältnisse zu leben? Ist es überhaupt die Aufgabe der Währungshüter, ihnen zu helfen? Muss der deutsche Steuerzahler dafür geradestehen?

„Wir kommen nur gemeinsam aus der Krise“, sagt Professor Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin. Den Aufkauf von Staatspapieren hält der Wissenschaftler für ein „notwendiges Übel“.

Im Gespräch mit AKTIV erklärt Fratzscher: „Die EZB stärkt durch ihr Handeln das Vertrauen in die Märkte.“ Das wiederum habe „positive Wirkungen auf die Wirtschaft“. Schließlich kommen auf diesem Weg die Banken in den Krisenländern zu Geld, das sie in Form von Krediten an die Unternehmen weitergeben können. Die wiederum, so Draghis Strategie, werden dann investieren. Sie kaufen Maschinen, erteilen Aufträge. Das bringt die Wirtschaft in Gang.

Draghi liege mit seiner Entscheidung also richtig, urteilt Fratscher. Andere Notenbanken seien diesen Weg bereits erfolgreich gegangen. In Amerika, England und Schweden haben sie während der Weltfinanzkrise in großem Stil Staatsanleihen gekauft. „Der Konjunktur hat es in diesen Industriestaaten auf die Beine geholfen.“ So entstanden in den USA viele neue Jobs. Und die Wirtschaft boomt – im Gegensatz zur insgesamt schwächelnden Euro-Zone.

Für eine bessere Konjunktur freilich könne eine Zentralbank nicht alleine sorgen: „Die Regierungen müssen den Pfad der Reformen weitergehen.“ So brauche man in Deutschland mehr Anreize für private Investoren.


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