Leitartikel

Europa ist wieder im Aufwind

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Neigt sich die Euro-Krise dem Ende zu? Jedenfalls mehren sich die Hoffnungszeichen. Der Kraftakt der Politik, mit Reformen und Rettungspaketen die Finanzmärkte zu beruhigen, scheint zu klappen – allen Unkenrufen zum Trotz.

So ist der Zinssatz, zu dem private Investoren dem größten Krisenland Italien für zehn Jahre Geld leihen, erstmals wieder unter 4 Prozent gefallen. Das kommt immer noch teuer, denn Italien hat relativ zur Wirtschaftsleistung gut die Hälfte mehr Schulden als Deutschland. Aber es ist bezahlbar. Ende 2011 lag der Zins über 7 Prozent – da kommt ein wachstumsschwaches Land auch mit noch so viel Sparen auf keinen grünen Zweig.

Und genau deshalb liehen ausländische Banken, Versicherungen und Pensionsfonds Italien damals immer weniger Geld. Das war im Interesse ihrer Kunden, auch der Altersvorsorge von Millionen Arbeitnehmern in Europa. Aber es führte in den Teufelskreis: Italien taumelte, die „Fünf Wirtschaftsweisen“ im Sachverständigenrat der Bundesregierung rieten in Panik zu einem Schuldentilgungspakt, wonach Deutschland für die Hälfte von Italiens Schulden in Mithaftung getreten wäre. Der „Spiegel“ ließ den Euro auf seinem Titelbild zerbröseln.

Aber der Mega-Rettungstopf ESM, die Europäische Zentralbank und ein rigider Spardruck auf Krisenstaaten haben die Stimmung gedreht. Die Finanzwelt, die erst leichtfertig das Schuldenmachen finanzierte und dann ins andere Extrem fiel, traut dem Signal der Politik.

Und die Kosten? Werden überschätzt. Deutschlands Kredite für die Euro-Rettung sind in Summe 3 Prozent unserer Wirtschaftsleistung. Es ist offen, ob wir unterm Strich überhaupt Geld verlieren.


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