Interview

„Euphorie tut uns nicht gut“


Das Vorkrisen-Niveau erreichen viele Firmen erst 2012

Wiesbaden. Die Zeichen stehen auf Erholung: Nach der Krise atmet Deutschland hörbar auf. Warum es in der Chemie in Hessen trotzdem noch nicht richtig rund läuft, erklärt Axel Schack, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes HessenChemie.

AKTIV: Herr Schack, was macht der XXL-Aufschwung in Hessen?

Schack: Wir erleben hier keinen Aufschwung, sondern eine Erholung. Unsere jüngste Mitgliederbefragung hat gezeigt, dass 40 Prozent der Betriebe erst 2012 das Vorkrisen-Niveau wieder erreichen werden. Euphorie tut uns da nicht gut.

AKTIV: Hat das einen besonderen Grund?

Schack: 2008 ist die Produktion in der sogenannten klassischen Chemie zunächst um 5,7 Prozent und 2009 nochmal um 11,7 Prozent eingebrochen. Die Umsätze gingen 2009 sogar um fast 14 Prozent runter.

Im Jahr 2010 ging es zwar wieder bergauf, bei der Produktion um 12,7 Prozent, beim Umsatz sogar um 12,5 Prozent. Im Vergleich kann man das wohl nur als gefühltes Wirtschaftswunder bezeichnen.

AKTIV: Aber wie sieht es in anderen Sparten aus, etwa Pharma?

Schack: Arzneimittel-Hersteller profitieren leider gar nicht von der Aufholjagd, im Gegenteil. Ihnen bereiten die Folgen der Gesundheitspolitik große Sorgen. Durch hohe Zwangsrabatte und staatlich verordnete Preis-Stopps fürchten einzelne Unternehmen für das laufende Jahr Gewinneinbrüche bis zu 60 Prozent.

AKTIV: Und die Arbeitsplätze?

Schack: Die Unternehmen konnten die Belegschaft in der schweren Zeit überwiegend halten. In der hessischen Chemie mussten sich weit weniger Männer und Frauen eine neue Arbeit suchen, als in anderen Branchen. Grund dafür waren sicherlich die gute Sozialpartnerschaft und der moderate Tarifabschluss 2010.

AKTIV: Wie müsste denn der neue Tarifabschluss aussehen?

Schack: Er sollte dazu beitragen, auch weiterhin die Beschäftigung und die Wettbewerbsfähigkeit der Firmen zu sichern. Denn die momentane Erholung ist von Risiken wie rasant steigenden Preisen etwa für Energie und Rohstoffen belastet, die man unbedingt im Blick haben muss.

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