Dumpingpreise gefährden Hersteller

EU belegt billigen China-Stahl mit Strafzöllen

Produktion in der Volksrepublik: Wegen der Wirtschaftsflaute dort gibt es riesige Überkapazitäten. Foto: dpa

Düsseldorf. 123 Millionen Tonnen Stahl. Mit dieser gewaltigen Menge flutet China dieses Jahr den Weltmarkt. Dreimal so viel wie Deutschlands Stahlwerke, die 2016 rund 42 Millionen Tonnen produzieren dürften. Weil die Nachfrage in der Volksrepublik stark schrumpfte, werfen die subventionierten Firmen ihren Stahl zum Teil unter Herstellkosten auf den Weltmarkt. Um in China Jobs zu retten, bedrohen sie Stellen hierzulande.

Die Preise für Standard-Stähle sind um 30 Prozent eingebrochen. Erste Hersteller rutschen in die Verlustzone. Die Bremer Hütte will Kosten sparen, die Betriebe im Siegerland sehen sich unter Druck. Zwar ist das nur eine Momentaufnahme. Doch schon letztes Jahr schrumpfte die deutsche Rohstahlproduktion um 1 Prozent, 2016 soll es um weitere 3 Prozent abwärtsgehen.

Dumpingspannen von fast 60 Prozent

„Wir erleben dramatische Verwerfungen in der Branche“, sagt Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Jetzt springt die EU-Kommission der Branche bei. Sie verhängte vorläufige Strafzölle von 14 bis 16 Prozent auf kaltgewalzten Flachstahl aus China sowie 20 bis 26 Prozent auf solche Produkte aus Russland. Die Höhe sei jedoch „bei weitem nicht ausreichend“, kritisiert Kerkhoff. Denn für chinesische Importe konnten Dumpingspannen von fast 60 Prozent nachgewiesen werden.

Zusätzlich untersucht die EU-Kommission bei drei weiteren Erzeugnissen aus China, ob dort unfairer Wettbewerb herrscht. Betroffen sind nahtlose Rohre, schwere Bleche und warmgewalzter Flachstahl.

In einem Brandbrief an die Regierungen der EU-Staaten hatten große Hersteller vor wenigen Wochen Alarm geschlagen. „Um irreparable Schäden bei der europäischen Stahl-Industrie zu vermeiden, muss die Politik sofort agieren und die verfügbaren Handelsschutz-Instrumente einsetzen“, forderten die Chefs von Konzernen wie ArcelorMittal, Thyssenkrupp oder Salzgitter damals. Zurzeit gibt es hierzulande 90.000 Jobs in der Stahlindustrie.

Als wäre der Druck nicht schon genug, will die EU ihre Klimapolitik verschärfen. Bis 2030 soll die Stahl-Industrie 40 Prozent weniger klimaschädliches Kohlendioxid ausstoßen als 1990. Jahr für Jahr erhält sie deshalb weniger kostenlose Verschmutzungsrechte, immer mehr Zertifikate müssen die Firmen zukaufen.

„Im nächsten Jahrzehnt belastet diese Klimapolitik die Branche mit Zusatzkosten von 10 Milliarden Euro“, so Kerkhoff. „Das wird die Betriebe überfordern.“ Schon jetzt zögern sie mit Investitionen. Zusammen mit der Flut von Billigstahl macht es die Lage für die Branche brisant.


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