Dosen-Industrie

Es zischt und scheppert


Verbraucher greifen wieder zur Getränkedose

Weißenthurm. Auf einmal war die Dose verschwunden. Sie tauchte auf keiner Party mehr auf, bei keinem Grillfest, bei keinem Fußballspiel. Das typische Zischen beim Öffnen ließ sie immer seltener hören. Ihr Rückzug begann 2003, als die rot-grüne Bundesregierung das Dosenpfand eingeführt hatte.

Nun ist die Büchse zurück. Stolz glänzt sie in den Getränkeabteilungen der Discounter und wirbt auf Plakatwänden an der Autobahn. Die Zahl der in Deutschland geleerten Dosen wächst stetig (siehe Grafik), nachdem sie 2003 von 7 Milliarden auf 249 Millionen Stück eingebrochen war.

Lange Haltbarkeit und Kult-Status

Der Weißblechzylinder hat viele Fans. Wegen der starken Nachfrage führten die Handelsketten Netto und Penny die Dose jetzt wieder ein. „Die Hauptargumente sind bessere Frische, längere Haltbarkeit und bewährte Kulteigenschaften“, sagt Andreas Krämer von der Rewe Group, zu der Penny gehört.

Den Weg in die Regale und Kühlschränke tritt das Kult-Objekt zum Beispiel in Weißenthurm bei Koblenz an. Dort steht ein Werk des Dosenherstellers Ball Packaging Europe.

Knapp 300 Mitarbeiter arbeiten hier, die meisten im Schichtbetrieb rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Durchschnittlich sieben Millionen Dosen verlassen dieses Werk täglich und werden weltweit exportiert.

Die Geburtsstunde der Dose wird von einem Rattern begleitet. So laut, dass die Mitarbeiter es nur mit Ohrstöpseln aushalten. Anlagen bringen das Weißblech in die passende Form und ziehen diese auf die richtige Länge. Dann werden die Röhren lackiert und mit Logos von Brauereien oder Getränkeherstellern bedruckt.

Neben modernen Computern ist hier immer noch der Mensch gefragt. „Zusätzlich zu unseren Kamerainspektionssystemen, die jede einzelne Dose kontrollieren, prüfen wir sie auch mit bloßem Auge stichprobenartig“, erklärt Ingenieur Walter Wendel.

Das Ergebnis dieser Arbeit bleibt umstritten, obwohl der Absatz im ersten Quartal dieses Jahres um 27 Prozent zulegte. Das Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung hat zwar herausgefunden, dass die Dose bei langen Transportwegen gegenüber den Mehrwegflaschen ökologisch konkurrenzfähig sei. Andere Experten von Umweltbundesamt oder der Deutschen Umwelthilfe lehnen das Blechprodukt weiterhin ab. „Die Dose hat ein Imageproblem“, so Sylvia Blömker von Ball Packaging Europe. „Obwohl wir viel getan haben, um die Umweltbilanz der Dose zu verbessern.“ Und: Die Recyclingquote liege bei 95 Prozent.

Nach dem Genuss richtig entsorgen

Deswegen darf die Büchse auch nach einer durchzechten Nacht nicht im Rinnstein landen. Dann schon lieber als schepperndes Anhängsel am Hochzeitsauto.

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