Cabrios

"Es geht um Emotionen"


Warum das klassische Stoffdach wieder begehrt ist

Bietigheim-Bissingen. Mit offenem Verdeck durch eine Sommernacht fahren, warme Luft streicht durch die Haare – ein Traum! Das Cabrio wird nach der Krise ein Comeback erleben, prognostiziert das Essener Marktforschungsinstitut Polk. Jetzt schon spürbar ist ein Retro-Trend: Das Stoffdach, von Experten „Soft-Top“ ge­nannt, ist wieder gefragt.

Moment – haben nicht die einklappbaren Stahldächer („Retractable Hardtops“) zu­letzt das Cabrio-Fahren revolutioniert? Richtig. Der Zulieferer Magna Car Top Systems (CTS) aus Bietigheim-Bissingen baute 1996 das Dach des Mercedes SLK – ein Boom beim Stahldach folgte. Vertriebsdirektor Micha­el Eisner sagt: „Es war neu, es war anders, es war ein Trend.“

„Soft-Tops“ sparen Gewicht

Dass die 1.000 Magna-CTS-Mitarbeiter weltweit heute wieder vermehrt Stoffdächer herstellen, erklärt sich der Vertriebsexperte so: „Wer ein Cabriolet kauft, der will auch, dass jeder sieht, dass er es sich leisten kann. Da geht es um Emotionen.“

Den „Retractable Hardtops“ sieht man das Cabrio eben nicht an. Laut Institut Polk sinkt ihr Marktanteil in diesem Jahr erheblich – wurden 2008 noch 69.000 Neuwagen zugelassen, sind es 2009 voraussichtlich nur noch 50.000. Dagegen steigt die Zahl der in Deutschland neu zu­gelassenen Stoff-Cabrios so­gar leicht, von 44.000 auf 45.000.

Für Forscher Holger Hausmann liegt das am niedrigeren Gewicht der Stoffdächer. Das senkt den Benzinverbrauch. „Sie sind güns­tiger in der Entwicklung, nehmen weniger Platz ein und bieten auch mehr Gestaltungsmöglichkeiten“, weiß Hausmann. Die Heckpartie sei bei den Stahl-Verdecks nämlich „kons­truktionsbedingt meist etwas buckliger“.

Hightech bekommen die Kunden auch beim Stoffdach. CTS-Vertriebschef Eisner er­klärt: „Die neuen Soft-Tops sind, was das Windgeräusch und die Wasserdichtigkeit an­belangt, mit den Hardtops vergleichbar.“

Cabrios werden weiterhin gefragt sein

So bieten mehrere Automobil-Hersteller jetzt im wahrsten Sinne des Wortes Stoff für neue Träume. Wie zum Beispiel Daimler mit dem Mercedes E-Klasse Cabriolet, Audi mit dem A3 und A5, BMW mit dem Mini, oder Fiat mit dem Mo­dell 500.

Marktforscher Hausmann sagt: „Wir erwarten, dass sich das Segment der Cabrios nach der Krise wieder erholen und in den nächsten Jahren seinen Marktanteil weitestgehend stabil halten wird.“

Info: Magna Car Top Systems

Das Unternehmen aus Bietigheim-Bissingen bei Stuttgart, kurz CTS, wurde ursprünglich von Porsche und Daimler-Benz gegründet. Es gehört seit 2005 zum kanadischen Konzern Magna. CTS beschäftigt weltweit 1.000 Mitarbeiter und hat seit 1996 mehr als 1,8 Millionen Cabrio-Dächer produziert – darunter fast eine Million „Soft-Tops“.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang