Konjunktur

Es bleibt brisant


Wie Betriebe landauf, landab das neue Jahr anpacken

So einen Antrieb wie auf dem Foto unten könnte die Konjunktur gut gebrauchen: In einer Fabrik in Sonthofen im Allgäu entstehen riesige Turbogetriebe. Das Unternehmen Voith Turbo BHS (400 Mitarbeiter) baut sie etwa für Anlagen der Öl- und Gas-Industrie sowie der Chemie-Industrie.  Ihm stehen schwierige Monate bevor – und so geht es jetzt vielen Betrieben.

Denn 2010 wird für die Metall- und Elektro-Industrie ein brisantes Jahr: Auch wenn einige Konjunktur-Indikatoren schon wieder leicht nach oben weisen, der Aufschwung liegt noch in weiter Ferne. Gegenzusteuern, die Kosten zu reduzieren und die Beschäftigung zu sichern – das hält die Unternehmen in Atem.

„Wir sind vorbereitet“

Bei BHS jedenfalls kommt die Krise jetzt erst an. Und zwar deshalb: Von der Projektierung neuer Anlagen, etwa von Ölplattformen, bis zum Eingang eines Auftrags vergehen rund zwei Jahre. Deshalb hatte der Betrieb noch lange ein Auftragspolster aus dem vorigen Aufschwung.

Seit Sommer aber sank der Auftragseingang um 30 Prozent. Etwas verzögert sinkt nun auch der Bestand. „Wir sind aber auf alles vorbereitet“, sagt Geschäftsführer Dieter Groher. Die 40-Stunden-Verträge wurden auf 35 Stunden gekürzt. Im Herbst hat BHS begonnen, an Fremdfirmen ausgelagerte Arbeiten zurückzuholen. „Das betrifft einfache Tätigkeiten wie Drehen, Bohren und die Gehäusebearbeitung“, so Groher. Und es hilft: „Deshalb ist unsere Produktion noch relativ gut ausgelastet.“

Auch die SMS Group aus Düsseldorf spürt den Gegenwind jetzt erst richtig. Bis Ende 2009 zehrte der Anlagen- und Maschinenbau-Konzern noch von Aufträgen aus den Boomjahren. Jetzt haben einzelne Bereiche mit Kurzarbeit begonnen. Der Vorsitzende der Geschäftsführung Heinrich Weiss will verstärkt investieren. „Wir werden die Krise nutzen, um die technische Entwicklung zu intensivieren und Abläufe zu rationalisieren“, sagt er.

Der Mess- und Steuerungstechnik-Hersteller Baker Hughes Inteq aus dem niedersächsischen Celle hat ebenso ein „sehr schweres“ Jahr vor sich – und auch schon eines hinter sich. Seine Produkte werden bei der Erschließung von Öl- und Gasfeldern gebraucht. Die Nachfrage ist dramatisch eingebrochen. Dank Kurzarbeit konnte Personalleiter Hans Holly immerhin 1.260 der 1.500 Mit­arbeiter halten. Er berichtet: „Um die Kurzarbeit haben uns alle ausländischen Schwesterwerke beneidet.“ Auf Dauer aber helfen dem Unternehmen nur zusätzliche Aufträge, denn Kurzarbeit ist teuer.

Der Ausblick: „verhalten“

Die Betriebe lassen sich einiges einfallen, um Beschäftigung zu sichern. Ein Beispiel: Der Maschinenbau-Konzern Liebherr, für den der Ausblick auf dieses Jahr ebenfalls „verhalten“ ist, hat neben vielen anderen Maßnahmen einen „konzerninternen Kapazitätsausgleich“ ins Leben gerufen. Das heißt, Mitarbeiter von Werken mit geringer Auslastung kommen vorübergehend in anderen Werken unter, zum Beispiel in Ehingen, Schwaben.

Vielerorts herrscht schon vorsichtige Zuversicht. Wie bei der Drahtseilfabrik Engelmann in Hannover (gut 30 Mitarbeiter). Geschäftsführer Stephan La Roche musste 2009 dank Kurzarbeit keinen entlassen, obwohl die Spezialdrähte deutlich weniger gefragt waren. Er fürchtet zwar auch eine unsichere Entwicklung der Rohstoffpreise, geht aber davon aus, „dass wir auch in 2010 die Belegschaft halten können“.

Dem Anlagenbauer Achenbach Buschhütten aus Kreuztal in Nordrhein-Westfalen flatterte sogar jüngst wieder ein Großauftrag ins Haus. Er baut in Fernost ein großes Walzwerk für Aluminium-Folien. Produktionsleiter André Barten, der sich 2009 von den meisten Zeitarbeitern trennen musste, ist jetzt verhalten optimistisch: „Wir sind guter Dinge, unsere eigenen Mitarbeiter weiter beschäftigen zu können.“

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