Das Geheimnis des deutschen Export-Wunders

Erfolgsrezept der Brauereien gilt auch für die Industrie


Berlin/Essen. Diese Nachricht zischt runter wie ein kühles Bier: Der Brauerei-Standort Deutschland hat 2011 doppelt so viel Gerstensaft exportiert wie importiert – 15 Millionen Hektoliter. Einen Export-Überschuss beim Bier schaffen weltweit nur zwei andere Länder, Belgien und die Niederlande.

Für den deutschen Erfolg gibt es gute Gründe. Die 1.300 meist kleinen Betriebe sind hoch spezialisiert, sie brauen 5.000 Biersorten.

1.200 heimliche Weltmeister

Erfolgreich sein in der Nische: Dieses Rezept macht auch die deutsche Metall- und Elektro-Industrie stark. „Deutschland produziert sehr viel stärker als andere EU-Länder Waren, die momentan auch auf den rasch wachsenden Märkten der Welt nachgefragt werden“, sagt Professor Roland Döhrn vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen.

Das schlägt sich in der Außenhandelsstatistik nieder. Bei den Metall- und Elektro-Erzeugnissen lagen die Exporte zuletzt um über die Hälfte höher als die Importe – mit 637 Milliarden Euro.

Döhrn: „Die Betriebe sehen sich einer robusten Nachfrage gegenüber.“ Durch Spezialisierung setzen sich viele Firmen von der Konkurrenz in aller Welt ab.

„Es gibt hierzulande einen sehr lebhaften Mittelstand und viele Weltmarktführer, wenn auch oft in recht kleinen Marktsegmenten“, stellt der Konjunktur-Experte fest. Rund 1.200 Unternehmen zählen zu diesen Hidden Champions, den heimlichen Siegern.

Dazu gehört zum Beispiel der Heftzweckenproduzent Gottschalk im nordrhein-westfälischen Arnsberg mit gerade mal 20 Mitarbeitern.
Oder Hottinger Baldwin Messtechnik in Darmstadt, wo 700 Mitarbeiter Präzisionsgeräte herstellen, unter anderem für die Merkur-Mission im All. Als „eine Besonderheit der deutschen Wirtschaft“, stellt Döhrn heraus, „dass kleinere Unternehmen einen deutlich höheren Beitrag zur Produktion, zur Beschäftigung und auch zum Export leisten, als dies beispielsweise in Frankreich der Fall ist“.

Deshalb stehe Deutschland in diesen schweren Zeiten wesentlich besser da als andere Länder. Das gilt nicht nur für unseren wichtigsten Wirtschaftszweig Metall und Elektro, sondern auch für die Brauereien. Weil der Bierabsatz im Inland rückläufig ist, besetzen die Unternehmen neue Nischen – wie mit dem Sommerhit Fassbrause.

Sind Sie stolz auf Ihren Betrieb?

Schreiben Sie uns!

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang