Strompreis klettert noch höher

Erdkabel statt Masten: Regierungsbeschluss zu Stromtrassen kostet viele Milliarden extra

Berlin. Der durch die Energiewende politisch nach oben getriebene Strompreis ist für viele Betriebe ein schwerer Brocken: In kaum einem anderen EU-Staat muss die Industrie so viel für ihren Strom bezahlen wie hier. Und jetzt kommt es noch dicker – neue Milliardenkosten werden auf die Rechnungen draufgepackt.

Denn die großen Stromtrassen, die zum Beispiel Windenergie von der Küste Richtung Süden bringen sollen, werden nun doch nicht einfach mit riesigen Masten in die Landschaft gestellt. Sondern weitgehend verbuddelt: „Die neuen Stromautobahnen (Höchstspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen) werden künftig vorrangig als Erdkabel statt Freileitung gebaut.“ Das hat das Bundeskabinett nun beschlossen. Die Regierung will damit – vor allem auf bayerisches Drängen – „die Akzeptanz für den Netzausbau in der Bevölkerung stärken“.

Der große Haken an der Sache: Unterirdische Leitungen kommen viel teurer! 3 bis 8 Milliarden Euro zusätzliche Kosten stehen schon jetzt im Raum.

Das geplante Strommarktgesetz birgt „erhebliche Risiken“

Bezahlt wird das letztlich über die Stromrechnung. Bei einem privaten Haushalt dürfte die Zusatzbelastung pro Jahr zwar keine 10 Euro ausmachen. Ganz anders sieht es in der Wirtschaft aus.

„Bei einem mittelständischen Unternehmen ergibt sich allein schon durch die jüngste Festlegung auf Erdkabel schnell eine zusätzliche Belastung in fünfstelliger Höhe – und zwar pro Jahr.“ Das hat Vladimir von Schnurbein errechnet, Energieexperte der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände. Und auf „große Industriekunden“ kommen sogar „jährliche Mehrkosten von 370.000 bis 990.000 Euro“ zu – das berichtete nun das „Handelsblatt“ nach Auswertung von Unterlagen aus dem Wirtschaftsministerium.

Da fällt es sozusagen kaum noch auf, dass die EEG-Umlage mal wieder etwas teurer wird. Mit dieser Umlage subventionieren praktisch alle Stromkonsumenten den politisch erwünschten Ausbau der erneuerbaren Energien: Zur Finanzierung vor allem von Wind- und Sonnenstrom werden pro Jahr rund 22 Milliarden Euro umverteilt. Anfang 2016, das haben jetzt die zuständigen großen Netzbetreiber mitgeteilt, steigt die EEG-Umlage von 6,17 auf 6,35 Cent je Kilowattstunde (plus Mehrwertsteuer).

Zum Vergleich: 2010 waren es erst 2,05 Cent. Und der drastische Anstieg trifft fast alle Betriebe. Zwar sind besonders energieintensive Unternehmen von der Umlage weitgehend befreit – aber: 96 Prozent aller Firmen müssen sie in voller Höhe zahlen, so der Energiewirtschaftsverband BDEW.

Derweil tüftelt die Regierung an einem „Strommarktgesetz“. Doch auch dieses knifflige Regelwerk wird den Strompreis wohl kaum drücken – eher im Gegenteil. Die Monopolkommission, ein unabhängiges Gremium, das die Regierung in Sachen Wettbewerb berät, warnte gerade: Das neue Konzept berge „erhebliche Risiken, die sich auf die Marktpreise und das Kapazitätsniveau auswirken können“. Der vorgesehene Abbau von Überkapazitäten könne dazu führen, dass sich „in Zukunft wieder deutlich höhere Preise am Markt einstellen“.

Und ihre Möglichkeiten, mit weniger Strom auszukommen, haben viele Firmen bereits ziemlich ausgeschöpft. Darauf wies kürzlich etwa der Verband „Die Familienunternehmer“ hin: Zwei Drittel von mehr als 500 befragten Mitgliedsfirmen hätten in den letzten drei Jahren schon maßgeblich in Energiesparmaßnahmen investiert. Und mal angenommen, der Strompreis würde um weitere 10 Prozent steigen: Für 73 Prozent der Betriebe wäre es dann „nicht möglich“, dies mal eben durch neue Effizienzsteigerungen wettzumachen.

Das sollte die Politik berücksichtigen, fordert der Verband – „statt immer davon auszugehen, dass die familiengeführten Industriebetriebe das alles schon irgendwie wuppen werden“.


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