Gesamtmetall: „Tarifvertrag unterscheidet nicht zwischen Mann und Frau“

Entgeltgleichheitsgesetz gegen die Lohnlücke – eine gute Idee?

Experte für Entgelt-Fragen: Karsten Tacke. Foto: Verband

Berlin. Im Familienministerium tüftelt man an einem Gesetz, das die Gleichberechtigung voranbringen soll – durch mehr Lohngerechtigkeit im Lande. Was hält der wichtigste Industriezweig Metall und Elektro davon? AKTIV fragte das Karsten Tacke, er ist stellvertretender Hauptgeschäftsführer beim Arbeitgeberverband Gesamtmetall in Berlin.

Spricht etwas gegen die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen?
Ganz im Gegenteil. Diskriminierung ist völlig zu Recht schon längst verboten. Wer sich benachteiligt fühlt, kann deswegen schon heute zum Betriebsrat oder zum Anwalt gehen. Und unsere Tarifverträge machen natürlich keinen Unterschied zwischen Mann und Frau: Die Einstufung in die Entgeltgruppen hängt nur davon ab, was jemand im Betrieb tut. Der Betriebsrat entscheidet dabei sogar mit.

Das Statistische Bundesamt hat ja kürzlich eine große Lücke errechnet: Demnach verdient ein Mann im Schnitt pro Stunde 22 Prozent mehr als eine Frau …
Aber das Bundesamt teilte dazu selbst mit, dass dies nichts mit Diskriminierung zu tun hat – sondern die sogenannte unbereinigte Lücke ist. Da werden also nicht Chefärzte mit Chefärztinnen verglichen, sondern die Einkommen aller Männer mit denen aller Frauen. Alter, Ausbildung, Beruf, Arbeitszeit und Unterbrechungen wie beispielsweise Kinderauszeiten werden nicht berücksichtigt. Tut man das aber, dann verschwindet die Lücke fast völlig.

Was ist denn der Hauptgrund für den Unterschied beim Einkommen?
Der mit Abstand wichtigste ist: Frauen entscheiden sich leider viel seltener für mathematisch-technische Ausbildungsberufe oder Studiengänge. Dabei verdient man zum Beispiel in der M+E-Industrie ausgezeichnet – und hat beste Aufstiegschancen.

Also sehen Sie keinen Handlungsbedarf für die Politik?
Doch, aber bei einem ganz anderen Punkt. Der zweite wichtige Grund für Entgeltunterschiede ist nämlich, dass vor allem die Frauen länger aussetzen, wenn Kinder da sind. Manche, weil sie es so wollen – viele andere, weil es keine ausreichende Kinderbetreuung gibt. Unsere Unternehmen machen hier zwar schon viel, von der Ferienbetreuung über Belegplätze in Kitas bis hin zu Betriebskindergärten. Aber dahinter darf sich die Politik nicht verstecken: Es liegt in ihrer Verantwortung, für ausreichende und hochwertige Kinderbetreuung zu sorgen.


Mehr zum Thema:

22 Prozent Unterschied beim durchschnittlichen Brutto pro Stunde zwischen Mann und Frau hat das Statistische Bundesamt ermittelt. Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut hat die Lücke analysiert – das Ergebnis überrascht.

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