Interview

„Enormer bürokratischer Aufwand“


Ökodesign-Richtlinie: Warum die Textil- und Modebranche nichts von einer allumfassenden Regelgung hä

Brüssel. Wenn die Europäische Union eine neue Ökodesign-Richtlinie strickt, hat das über kurz oder lang Folgen für alle Firmen und Verbraucher. Ein aktuelles Beispiel: Das verordnete Ende der klassischen Glühbirne. Aber was hat das mit Textilien zu tun? Das erklärt Yvonne Hendrych, die in Brüssel den Gesamtverband textil+mode vertritt.

Interview

AKTIV: Energiespar-Standards für jede Jeans – stand das wirklich zur Debatte?

Hendrych: Ja. Die Europäische Kommission hat für eine Weile erwogen, die Ökodesign-Richtlinie auf alle Produkte auszuweiten. Und seit wir Anfang 2008 davon Wind bekommen haben, haben wir uns dagegen gewehrt – unter anderem in einem Treffen unserer Verbandsspitze mit EU-Industriekommissar Günter Verheugen, aber auch in vielen persönlichen Gesprächen mit Abgeordneten und ihren Assistenten.

AKTIV: Warum? Was spricht gegen Energiesparen?

Hendrych: Nichts. Und bei einem Kühlschrank ist es auch relativ einfach, seine Wirkung auf die Umwelt herzuleiten – eben über seinen Energieverbrauch. Aber wie sollte das bei einer Jeans funktionieren?

Man hätte auf ihren gesamten Lebenszyklus abstellen müssen. Und da gibt es Punkte, über die ein Hersteller gar keine Kontrolle hat, vom Anbau der Baumwolle bis zum Ende der Hose in einer Recycling-Anlage.

AKTIV: Was hätte das für unsere Firmen bedeutet?

Hendrych: Einen enormen bürokratischen Aufwand, also eine zusätzliche administrative Last, die zusätzliche Kosten verursacht. Eine weitere Beschränkung der unternehmerischen Handlungsfreiheit. Und letztlich auch Wettbewerbverzerrung.

AKTIV: Warum? Die neuen Öko-Regeln hätten doch für alle gegolten?

Hendrych: Das schon – aber wenn zum Beispiel ein 08/15-T-Shirt am Ende ein „besseres“ Öko-Label hätte als ein atmungsaktives Sport-Shirt, könnte das den Kunden vom Kauf der eigentlich von ihm gewollten Funktionalität abhalten.

AKTIV: Ist das Thema denn jetzt vom Tisch?

Hendrych: Das hoffen wir. Letztlich ist ein Kompromiss gefunden worden: Die Richtlinie wird nicht pauschal auf alle Waren ausgeweitet, wohl aber auf „energieverbrauchsrelevante“ Produkte – also Türen, Fenster, Duschköpfe …

AKTIV:... und Teppiche?

Hendrych: Die endgültige Liste wird erst noch erarbeitet, unter Beteiligung der Indus­trie. Wir setzen uns dafür ein, dass Teppiche nicht auf der Liste stehen werden.

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