Deutschland unter Spannung

Energiewende: Fünf Aufgaben, die die Politik jetzt anpacken muss


Berlin. Nur noch wenige Tage, dann ist Bundestagswahl. Wer auch immer die nächste Regierung stellt, muss rund um die Energiewende eine Menge Probleme lösen. So drohten gerade die Stromerzeuger, 15 konventionelle Kraftwerke abzuschalten. Denn durch die Förderung der Erneuerbaren ist das Stromangebot derart gestiegen, dass sich wegen der sinkenden Preise an den Strombörsen viele Kohle- und Gaskraftwerke nicht mehr lohnen.

Zudem steht Ungemach aus Brüssel ins Haus: Die EU-Kommission will Deutschland verbieten, energieintensive Unternehmen teilweise von der Öko-Umlage zu befreien. Darin wittern die Wettbewerbshüter eine Subvention.

Diese fünf Aufgaben muss die Politik dringend anpacken:

1. Tempo der Energiewende drosseln

Allein im vergangenen Jahr hat die Förderung der Erneuerbaren 20 Milliarden Euro verschlungen. Die Zeche zahlen Verbraucher und Unternehmen über die EEG-Umlage auf der Stromrechnung. Mit diesem Aufschlag, geregelt im Erneuerbare-Energien-Gesetz, wird der Ökostrom subventioniert und die Energie hierzulande deshalb immer teurer. Für die Wirtschaft ist das ein großer Wettbewerbsnachteil.

Die USA zum Beispiel freuen sich über fallende Energiepreise, die wie ein Konjunkturprogramm wirken – dank Fracking. Dabei wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in die Tiefe gepumpt, um an Erdgas zu kommen.

In Deutschland aber steigt die EEG-Umlage weiter, von jetzt 5,3 Cent je Kilowattstunde auf voraussichtlich 6,1 Cent im nächsten Jahr. Um die Kosten der Energiewende zu deckeln, empfiehlt Professor Manuel Frondel, beim Ausbau der Erneuerbaren eine Pause einzulegen. Und zwar so lange, wie Übertragungsleitungen und Speicher für Ökostrom fehlen, so der Energie-Experte beim Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung in Essen. Zumindest sollte die Förderung neuer Fotovoltaik, Biomasseanlagen und Offshore-Windparks „sofort nach der Wahl ausgesetzt werden“.

2. Klüger in Erneuerbare investieren

Zwar steuert die Fotovoltaik nicht mal ein Viertel zum Ökostrom bei, doch ihre Betreiber kassierten 2012 die Hälfte der EEG-Umlage. „Das macht es teuer“, sagt Frondel. Stattdessen sollte derjenige am stärksten gefördert werden, der den günstigsten Strom anbietet. Das wäre die Windkraft an Land. „Für die eingespeiste Energie kassiert der Betreiber den ganz normalen Strompreis, wie jedes Kraftwerk“, so der Experte. Zusätzlich erhält er Ökostrom-Zertifikate. Frondel: „Die Zertifikate kann er zu Geld machen.“ Denn seine Kunden, die Stromversorger, müssen am Jahresende über diese Papiere nachweisen, dass sie die staatlich vorgeschriebene Menge an Ökostrom erreicht haben. Allein bis 2020 ließen sich so 50 Milliarden Euro einsparen.

3. Die Versorgung sicherstellen

Um im schlimmsten Fall einen Blackout zu verhindern, mussten die Betreiber der Überlandleitungen letztes Jahr fast 1.000 Mal in die Stromnetze eingreifen. 2010, vor der Energiewende, waren es 290 Fälle. Und die Netzzentralen veranlassten, dass etwa Kohlekraftwerke schnell rauf- oder runtergefahren wurden. Diese sind unverzichtbar, weil die Stromerzeugung durch Sonne und Wind schwankt. Umso kritischer sind die Pläne der Kraftwerksbetreiber, bestehende Anlagen abzuschalten und neue erst gar nicht zu bauen. Das gilt auch für deutlich umweltfreundlichere Gaskraftwerke, die Schwankungen besonders flexibel auffangen können. „Investitionen in solche Kraftwerke sollten daher öffentlich gefördert werden“, sagt Frondel.

4. Mehr Druck beim Netzausbau machen

Von den geplanten 1.855 Kilometern Höchstspannungsnetz sind erst 268 Kilometer Leitungen gezogen. Dabei benötigt Deutschland insgesamt 4.000 Kilometer neue Trassen, um den Windstrom aus dem Norden zu den Industriezentren im Süden zu transportieren. Um den Ausbau zu beschleunigen, müssten die Bürger vorzeitig in die Planungen einbezogen werden, so Frondel: „Außerdem sollten die Stromproduzenten an den Kosten beteiligt werden.“

5. Ausbau der Erneuerbaren besser koordinieren

Der Bund und die 16 Bundesländer: Jeder macht seine eigene Energiepolitik. So soll in Schleswig-Holstein bis 2020 dreimal so viel Strom produziert werden, wie das Land verbraucht. Wohin der fließen soll, ist unklar. Frondel: „Wir brauchen in Deutschland endlich ein Energiekonzept aus einem Guss.“

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