„Stromkosten laufen aus dem Ruder“

Energiewende: Deutsche Industrie übt scharfe Kritik an der Regierung

Berlin. Die G7-Staaten verkündeten jetzt das Maximalziel beim Klimaschutz: Bis zum Jahr 2100 will die Gruppe sieben führender Industrienationen ihre Energieversorgung komplett auf die Erneuerbaren umstellen – und sich verabschieden von Kohle, Öl und Gas.

Mit ihrem Entschluss zur „Dekarbonisierung“ stellen Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA die Wirtschaft vor eine gigantische Herausforderung. Am Ziel, die Erderwärmung zu begrenzen, gibt es in der Industrie kaum Zweifel. Daran, wie die Politik den Weg dahin managt, aber schon.

In Deutschland steht besonders die EEG-Umlage in der Kritik. Dieser Aufschlag auf den Strompreis zur Subventionierung von Wind- und Sonnenenergie wird für die Industrie zunehmend zur Belastung im globalen Wettbewerb. Je mehr Ökostrom, desto höher die Umlage. Sie ist mittlerweile allein so teuer wie Industriestrom in den USA insgesamt.

„Die Kosten laufen aus dem Ruder“, warnten kürzlich Jürgen Hambrecht, Aufsichtsratsvorsitzender der BASF, und Michael Vassiliadis, Chef der Chemie-Gewerkschaft IG BCE. In einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine“ betonten sie, es seien „ganze Industriezweige und damit Beschäftigung gefährdet“.

Weil die Regierung längst fällige Korrekturen nicht vornehme, stelle sich die Frage: „Wer, außer uns, kann sich die Energiewende so eigentlich leisten? Und vor allem: Wie lange können wir es noch?“ Rund 24 Milliarden Euro bringen Wirtschaft und Verbraucher jährlich für die EEG-Umlage auf. Mittlerweile wird auch die Eigenstromerzeugung von Betrieben belastet. Ein „politisch veranlasstes Planungsrisiko“ beklagt der Industrie-Dachverband BDI. Nur gut 2.000 der 100.000 Unternehmen im Land sind als energieintensive Betriebe befreit.

Konkret zeigen sich die Folgen der rumpelnden Energiewende derzeit bei Siemens. Weil die Nachfrage für Gaskraftwerke eingebrochen ist, baut der Konzern 5.100 Stellen ab. Betriebsbedingte Kündigungen will Vorstandschef Joe Kaeser vermeiden: „Es ist tragisch, dass wir in Deutschland hervorragend ausgebildete Leute haben, die jetzt hier keine Zukunftsbasis mehr haben.“

Und der BDI erklärt: „Die Energiewende als gesellschaftlich akzeptiertes Zukunftsprojekt ist in Gefahr, wenn weiter nur auf ein Umlagesystem zulasten des Strompreises gesetzt wird.“


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