Hohe Strompreise

Energieintensive Unternehmen wenden sich von Deutschland ab

Köln/Essen. Eigentlich sind das gute Nachrichten für die Industrie: Der Ausbau der Erneuerbaren und der sinkende Weltmarktpreis für Steinkohle sorgen an der Strombörse für die niedrigsten Preise seit zehn Jahren. Und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel verteidigte bei der EU Sonderregeln für Großverbraucher. Trotzdem warnt der Industrieverband BDI vor einem Exodus energieintensiver Unternehmen. Was ist da los?

Die Antwort gibt Esther Chrischilles, Energieexpertin beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW): „Der Effekt sinkender Preise an der Strombörse wurde für die Großabnehmer unter dem Strich durch politisch verursachte Zusatzkosten überkompensiert.“ Das sind unter anderem die Stromsteuer und die sogenannte EEG-Umlage.

Mit dieser Umlage wird hierzulande Strom aus Wind, Sonne und Biomasse gefördert. Seit Januar beträgt sie schon 6,24 Cent je Kilowattstunde, fast 1 Cent mehr als noch im vergangenen Jahr. Zwar sind rund 2.100 Unternehmen in Deutschland weitgehend befreit – aber trotzdem summierten sich die gesamten Stromkosten der industriellen Großverbraucher zuletzt im Schnitt auf 10,2 Cent je Kilowattstunde.

Das ist deutlich mehr als bei den meisten Konkurrenten in Europa. In Frankreich sind es nur 6 Cent. Und anders als in Deutschland blieben die Preise in allen anderen wichtigen EU-Ländern seit 2008 mehr oder weniger stabil.

Zwar erreichte Minister Gabriel nach zähem Ringen in Brüssel, dass die Ermäßigungen von der deutschen Ökostrom-Umlage nun doch nicht komplett abgeschafft werden. Aber sie gelten künftig nur noch für 1.600 Unternehmen, und auch die zahlen in Zukunft in der Regel deutlich mehr.

„Der Kompromiss mag besser ausgefallen sein als befürchtet“, sagt Professor Manuel Frondel, Energieexperte beim Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung in Essen: „Dennoch bringt er eine starke Zusatzbelastung. Die betroffenen Betriebe werden in Deutschland weniger investieren – das geht auf Kosten von Arbeitsplätzen.“

BDI-Präsident Ulrich Grillo warnt bereits vor einem „schleichenden Prozess“ der Abwanderung bestimmter Branchen. „Wir sehen, dass die energieintensive Industrie in den letzten Jahren noch 85 Prozent der Abschreibungen reinvestiert hat.“ Mit anderen Worten: Alte Maschinen und Anlagen werden nur zu einem Teil ersetzt. „Das macht uns große Sorgen.“


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang