Konjunktur

„Endlich wieder über Wasser“


Der bislang größte Einbruch der Wirtschaft ist erst jetzt ausgeglichen

 

 

Die Wirtschaftskrise anno 2008?… Schnee von gestern, oder? Verblüffende Antwort: ja – endlich!

 

 

 

Erst jetzt, so zeigen die neuesten Zahlen, produziert Deutschlands größte Industriebranche Metall und Elektro (M+E) wieder so viel wie vor drei Jahren. Also vor der brutalsten Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik.

 

 

 

„Die Produktion der Metall- und Elektro-Industrie ist im Durchschnitt wieder auf Vorkrisenniveau“, erklärt Martin Kannegiesser, der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall. „Jetzt endlich haben wir den Kopf wieder über Wasser: Erst ab jetzt ist jedes zusätzliche Prozent Wachstum echtes Wachstum – und nicht mehr Aufholarbeit.“

 

 

 

Tatsächlich hat die M+E-Produktion im Juli und August ihren früheren Spitzenwert ganz leicht übertroffen. Und der monatliche Umsatz der Branche liegt jetzt im Schnitt praktisch genau auf dem Level des Jahres 2008.

 

 

 

Entgelte schon längst gestiegen

 

 

 

Die Erträge haben das damalige Niveau aber noch nicht erreicht. „Es müsste noch ein, zwei Jahre weiter aufwärts gehen, damit das finanzielle Fundament in der Breite der Industrie wieder so stark ist wie 2008“, weiß Kannegiesser.

 

 

 

 

 

 

 

Und er erinnert daran, dass die Beschäftigten längst nicht so lange warten mussten. „Die Entgelte haben schon 2010 die Null-Linie überschritten und liegen jetzt 7,4 Prozent über dem Vorkrisenniveau.“ Ursache war zunächst der Rückgang der Kurzarbeit – und im Frühjahr 2011 hat es dann ja eine solide Tariferhöhung gegeben: um 2,7 Prozent.

 

 

 

Noch leicht unter dem früheren Stand liegt die Zahl der Mitarbeiter. Vom Tiefpunkt im Frühjahr 2010 bis zum Sommer 2011 hat die Branche immerhin rund 160.000 neue Jobs geschaffen. Bis Jahresende könnten laut Gesamtmetall noch 40.000 bis 50.000 dazukommen.

 

 

 

Wobei arbeitslose Fachkräfte immer schwerer zu finden sind. Jeder siebte M+E-Betrieb klagt darüber, dass der Mangel an guten Leuten die Produktion einschränkt.

 

 

 

Aber: Das sind womöglich Luxus-Sorgen. Nicht auszuschließen ist ja, dass die weltweite Konjunktur die Betriebe wieder unter Wasser drückt. Wann und wie stark die aktuelle Schulden- und Bankenkrise auf die produzierende Wirtschaft durchschlägt, ist schwer vorauszusagen.

 

 

 

Die Aufschwung-Euphorie ist jedenfalls vorbei: Ein Wirtschaftsforschungsinstitut nach dem anderen hat seine Wachstumsprognose für das kommende Jahr kräftig nach unten korrigiert.

 

 

 

„Fairer Umgang entscheidend“

 

 

 

Speziell für M+E warnt Kannegiesser: „Die Dynamik lässt nach, die Geschäftserwartungen haben sich kontinuierlich verschlechtert. Im September rutschten sie erstmals seit zwei Jahren wieder in den deutlich negativen Bereich.“

 

 

 

Doch der Gesamtmetall-Präsident will ausdrücklich nicht schwarz malen. Der Rückblick zeige: In schwierigen Phasen sei der faire Umgang zwischen Betrieben und Belegschaft entscheidend. „Diese gegenseitige Verbundenheit hat sich in der letzten Krise bewiesen.“

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