Kartellamt sorgt für Transparenz

Endlich Klarheit bei den Spritpreisen


Kristallkugel nicht nötig: Durchblick gibt’s jetzt online. Fotos: Mauritius, Fotolia, Roth (2); Montage: Roth

Bonn. Interessieren sich die Bürger für Benzinpreise? Und wie! Das zeigte sich, als die amtliche Preisdatenbank erstmals online abgefragt werden konnte: Vier Portale waren zum Auftakt dabei – und das Angebot des ADAC so gefragt, dass es unter dem Ansturm der Neugierigen in die Knie ging.

Inzwischen läuft die Seite wieder. Aber solche Aussetzer sind in der Startphase nicht auszuschließen: Noch bis Ende November arbeitet die Markttransparenzstelle beim Bundeskartellamt im Probebetrieb (deshalb steht auf manchen Seiten der entsprechende EDV-Begriff „Beta“). Andreas Mundt, der Präsident des Kartellamts, beschreibt den neuen Service so: „Tankstellen melden alle Preisänderungen bei E 5, E 10 und Diesel binnen fünf Minuten an die Markttransparenzstelle, die diese Informationen im Minutentakt an die Verbraucherinformationsdienste weitergibt.“ Die Kunden hätten so „erstmals die Möglichkeit eines echten Preisvergleichs“.

4 Anbieter sind von Anfang an dabei – weitere folgen

Von den rund 14.500 Tanken im Lande sind mehr als 13.000 schon dabei. Knapp 100 Interessenten haben sich beim Kartellamt als potenzielle Weiterleiter der kostenlosen Daten beworben. Bei Redaktionsschluss waren zwölf Anbieter amtlich zugelassen, aber erst vier aktiv (adac.de/tanken, clever-tanken.de, mehr-tanken.de und spritpreismonitor.de).

Auf die neuen Dienste kann man per Smartphone-App, per Navi oder per PC zugreifen, um den aktuell günstigsten Preis in der Nähe herauszufinden.
Was man bei aller Freude über die neue Klarheit für den Kunden nicht vergessen sollte: Schlauer tankt, wer den billigsten Kraftstoff nur längs des sowieso gefahrenen Wegs sucht – denn Extratouren lohnen oft nicht. Dazu ein Beispiel:

Angenommen, ein Auto schluckt für 100 Kilometer Strecke selbst im Stadtverkehr nur sechs Liter Sprit, und der Fahrer möchte 40 Liter tanken. Dann lohnt es sich nicht, zehn Kilometer Umweg zu fahren, um 2 Cent pro Liter zu sparen! Und selbst bei 3 Cent pro Liter Preisunterschied lohnt sich der Umweg zwar rein rechnerisch – aber nur, wenn einem die eigene Zeit nichts wert ist …

Große Preissprünge seitens der einzelnen Tankstellen dürften nun zwar seltener werden. Ob aber Benzin und Diesel insgesamt billiger werden, nur weil die Kunden jetzt schlauer sind – darüber streiten sich die Experten noch.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang