Konjunktur und Tarife

Ende der Schönwetterfront


Düstere Aussichten bereiten Kautschuk-Betrieben Sorgen

Hannover. Bremsspuren im Reifengeschäft: Deutschlands Automobil-Zulieferer machen sich große Sorgen.

„Im zweiten Halbjahr gab es einen dramatischen Einbruch“, sagt Norbert Reiners vom Arbeitgeberverband der Deutschen Kautschukindustrie (ADK). Nach gutem Start folgte ab August ein unerwarteter Absturz. „Etliche Reifenbauer produzieren derzeit auf Lager.“

Die Folge: Die Unternehmen müssen reagieren und die Kosten im Griff behalten. Befristete Beschäftigungen werden nicht verlängert, Zeitarbeitnehmer deutlich weniger benötigt.

Die Aussichten sind nicht gerade rosig: Die Auto-Industrie malt für das neue Jahr ein düsteres Bild und gehört laut Ifo-Konjunkturbarometer zu den Branchen mit den schlechtesten Erwartungen.

Brutale Drohungen

„Vor uns sieht fast niemand mehr Sonnenschein, sondern eine Schlechtwetterfront. Immer mehr Betriebe kommen durch die gestiegenen Rohstoffkosten, den starken Euro und die Kaufkraftvernichtung durch die Finanzmarktkrise unter Druck“, sagt Kautschuk-Experte Reiners.

Die Kautschukindustrie lebt zu 80 Prozent von der Auto-Industrie. Kein Wunder, dass die Zulieferer eine Sorge umhertreibt: Ein unangemessen hoher Tarifabschluss würde ihre Wettbewerbsfähigkeit weiter verschlechtern. Reiners: „Jeder kennt den Kostendruck der Autobauer, den sie gern an die Zulieferer abwälzen. Sie drohen brutal, wenn man dieser Aufforderung nach Preissenkungen nicht sofort nachkommt, dann werden die Elastomer-Teile halt ins sogenannte Global-Sourcing übergeben.

Unseren Betrieben bleibt oft nichts anderes übrig, als die mageren Preise zu akzeptieren.“

Deshalb ist es wichtig, keine neuen, hausgemachten Belastungen für die Firmen zu schaffen.

Die Fakten zeigen eindeutig, dass es nicht so positiv wie zuletzt weitergehen wird. Experten sind sich einig, dass sich die deutsche Wirtschaft in einem konjunkturellen Umbruch befindet. Speziell in einer solchen Phase, so ihre Empfehlung, spalten unvernünftig hohe Forderungen – und erst recht Abschlüsse – Belegschaften und Unternehmer.

Neue Arbeitsplätze geschaffen

Ein Blick zurück: Vielen Unternehmen ist es in den letzten Jahren gelungen, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und neue Arbeitsplätze zu schaffen. „Wir haben in der Kautschukindustrie den zuletzt kontinuierlichen Beschäftigungsabbau stoppen, ja sogar neue Arbeitsplätze schaffen können“, sagt Reiners. „Ein maßvoller Tarifabschluss wird helfen, diese Entwicklung fortzusetzen.“

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Schlagwörter: Konjunktur

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