Flexiblere Möglichkeiten für Familien

„Elterngeld plus“ und „Familienpflegezeit“ – was steckt dahinter?

Da tut sich was: Jungen Eltern hilft der Staat viel stärker als früher – und ab Juli noch mehr. Foto: Plainpicture

Berlin. Vor allem für den Mittelstand ist das happig: Der Gesetzgeber gibt Mitarbeitern „immer mehr individuelle Ansprüche auf Gestaltung ihrer Arbeitszeit“ (so formulierte es verärgert der Arbeitgeberdachverband BDA) – und die Betriebe müssen sehen, wie sie irgendwie damit klarkommen.

Aktuell stehen die Personaler da wieder vor Herausforderungen: Zum einen können Beschäftigte die Elternzeit flexibler nutzen. Zum anderen gelten neue Regeln für pflegende Angehörige.

Nach wie vor dauert eine Elternzeit höchstens 36 Monate. Für ab 1. Juli 2015 geborene Kinder darf man sie aber in drei Abschnitte aufteilen – bisher sind es nur zwei.

Zudem können künftig bis zu 24 Monate (bisher sind es 12) zwischen dem dritten und achten Geburtstag des Kleinen genommen werden. Dafür ist „eine Zustimmung des Arbeitgebers nicht mehr erforderlich“, erklärt das Familienministerium. Allerdings gilt eine Anmeldefrist von 13 Wochen – „damit Unternehmen sich rechtzeitig darauf einstellen können“. Und die Firma darf „den dritten Abschnitt aus dringenden betrieblichen Gründen ablehnen, wenn er zwischen dem dritten und dem achten Geburtstag liegt“.

Ab Juli gibt’s auch „Elterngeld plus“

Beim staatlichen Elterngeld können Mütter und Väter ab Juli wählen zwischen der bisherigen Form, dem neuen „Elterngeld plus“ oder einer Kombination aus beiden. Bisher wird Einkommen aus Teilzeitarbeit während der Babypause angerechnet: Volles Elterngeld gibt’s nur, wenn man nicht erwerbstätig ist.

Beim Elterngeld plus dagegen behalten auch teilweise berufstätige Eltern den vollen Anspruch. Ausgezahlt wird dann der halbe Betrag – dafür aber doppelt so lange, insgesamt maximal 28 Monate. 4 Monate davon gibt es Elterngeld plus aber nur, wenn Mama und Papa zeitgleich Teilzeit arbeiten. Vorgabe für diesen „Partnerschaftsbonus“: jeweils 25 bis 30 Stunden pro Woche.

Ganz andere Sorgen hat, wer sich kurzfristig um akut pflegebedürftige Angehörige kümmern muss. Dafür kann man zehn Tage unbezahlten Sonderurlaub anmelden. Seit Januar zahlt die Pflegekasse des Angehörigen dafür eine Lohnersatzleistung. Dieses „Pflegeunterstützungsgeld“ gibt’s aber nur auf Antrag.

Zwei Jahre Familienpflegezeit

Wie gehabt hat man in Betrieben mit über 15 Beschäftigten zudem Anspruch darauf, „bis zu sechs Monate ganz oder teilweise aus dem Beruf auszusteigen, um einen pflegebedürftigen nahen Angehörigen in häuslicher Umgebung zu pflegen“.

Außerdem möglich: die neue „Familienpflegezeit“ – ein Anspruch auf bis zu zwei Jahre Teilzeit-Arbeit. Pro Woche müssen dann mindestens 15 Stunden gearbeitet werden. Und Betriebe mit weniger als 25 Mitarbeitern sind davon nicht betroffen.

Übrigens

Infos online

Diese offiziellen Webseiten erklären die Neuerungen:
elterngeld-plus.de
wege-zur-pflege.de


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Sie erhöhen später die Rente: Kindererziehungs- und Kinderberücksichtigungszeiten. Letztere sind allerdings kaum bekannt. Und was die wenigsten wissen: Bei beiden Zeiten müssen vor allem junge Väter aufpassen.

Seit 1. Juli 2015 haben Eltern die Wahl zwischen dem Elterngeld, dem neuen Elterngeld plus – oder einer Kombination aus beiden. Wer sich da falsch entscheidet, verschenkt Geld. AKTIVonline erklärt hier, worauf man achten sollte.

Meistens sind es die Frauen, die wegen einer Babypause aus dem Berufsleben aussteigen. Den meisten von ihnen gelingt jedoch die Rückkehr – und das immer besser. Der Großteil der Firmen unterstützt Mütter dabei.

Just in time – das ist die Latte, nach der sich Betriebe strecken. Aber es gibt da ein Problem: Das Prinzip von just in time wird jetzt auf das Privatleben übertragen. Die Wirtschaft soll nicht mehr nur punktgenau ihre Leistungen bereitstellen – sondern auch ihre Nachfrage nach Arbeitskraft.

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