Privat pauken

Eltern zahlen Milliarden für Nachhilfe – und sollten Folgendes beachten

Mehr als 1,2 Millionen Kinder büffeln bei privaten Einrichtungen. Diese beschäftigen selten ausreichend qualifiziertes Personal. AKTIV hat Experten gefragt, worauf man bei der Auswahl von Lehrkräften unbedingt achten sollte.

Intensives Lernen: Wenn Eltern mit ihrem Latein am Ende sind, geht es oft zur Nachhilfe. Foto: Fotolia

Intensives Lernen: Wenn Eltern mit ihrem Latein am Ende sind, geht es oft zur Nachhilfe. Foto: Fotolia

Duisburg. Nachhilfe – ein Thema, das oft für Diskussionen zwischen Eltern und Kindern sorgt. Für über 1,2 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 16 Jahren gehört das betreute Büffeln zum Bestandteil ihrer Schullaufbahn.

„Mit kommerzieller Nachhilfe werden in Deutschland mittlerweile Milliarden umgesetzt“, so Professor Rolf Dobischat von der Uni Duisburg-Essen. Er hat im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung den Markt für solche Förderangebote in einer Überblickstudie beleuchtet.

Bedenklicher Befund: Rund vier von zehn befragten Einrichtungen beschäftigen keinen einzigen ausgebildeten Lehrer. Stattdessen lassen gut zwei Drittel sämtliche Kurse von nebenberuflichen Honorarkräften unterrichten.

Dennoch müssen Eltern für das Noten-Tuning in den deutschlandweit gut 2.000 Instituten tief in die Tasche greifen. Im Schnitt zahlen sie monatlich 87 Euro. Dafür erhalten ihre Kinder wöchentlich 90 Minuten, also zwei Schulstunden Unterricht. In dieser Zeit büffeln ungefähr 40 Prozent der Nachhilfeschüler sogar für zwei oder mehr Fächer.

Ganz vorn dabei: Mathe, Englisch und Deutsch. „Es sind längst nicht mehr nur Versetzungsgefährdete, die zur Nachhilfe angemeldet werden, sondern immer häufiger Dreier-Kandidaten“, sagt Dobischat. Das gilt schon für Grundschüler. 6 Prozent der Achtjährigen besuchen private Förderstunden. Besonders in diesem Alter verbuchten die von Dobischat befragten 400 Institute in den letzten Jahren eine Nachfragesteigerung von 28 Prozent. Grund: Die Jüngsten sollen die Gymnasial-Empfehlung erlangen.

Dahinter verbirgt sich die Erfahrung vieler Eltern, dass gute Schulleistungen in höhere Bildungsabschlüsse münden, von denen man im Arbeitsleben profitiert: Das Einkommen fällt höher aus, der Job ist sicherer. Tatsächlich liegt laut Bundesagentur für Arbeit die Arbeitslosenquote bei Facharbeitern bei ungefähr 5 Prozent, bei Ungelernten ist sie hingegen mit 20 Prozent viermal so hoch. Noch besser schneiden Ingenieure ab (2,6 Prozent). Privat pauken für eine bessere Bildung lohnt sich also.

Anbieter am besten selbst unter die Lupe nehmen

Wenn Nachhilfe von qualifiziertem Personal geleistet wird. „Im besten Fall sind das ausgebildete Lehrer oder Studierende auf Lehramt“, sagt Reinhard Bier, Nachhilfe-Experte beim Tüv Rheinland in Köln. Er rät Eltern, Anbieter persönlich unter die Lupe zu nehmen, sich Räumlichkeiten und Ausstattung anzuschauen. Änderungen von Terminen oder Lehrern sollten nur in Absprache mit den Eltern möglich sein. Wichtig ist auch die Vertragsdauer: Um hier bei Problemen rasch kündigen zu können, sollte eine Laufzeit von sechs bis zwölf Monaten gewählt werden.

Zusatzunterricht: Das gilt es zu beachten

  • Probestunde vereinbaren.
  • Gruppengröße sollte fünf Schüler nicht überschreiten.
  • Zu Beginn Lernstand des Kindes testen lassen.
  • Institute berechnen laut Verbraucherzentrale bis zu 150 Euro pro Monat für zwei Schulstunden wöchentlich, Privatlehrer bis zu 25 Euro pro Schulstunde.

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