Sichere Vorteile?

Elektronischer Personalausweis: Das sollte man über den aktivierten eID-Chip wissen

Über die Hälfte der Deutschen hat schon den elektronischen Personalausweis. Doch die meisten nutzen die Online-Funktion durch den integrierten Chip nicht. Dieser soll aber bald standardmäßig freigeschaltet werden. Das freut nicht jeden …

Die Technik macht’s: Chips sind wichtiger Bestandteil im Ausweis. Foto: Imago

Die Technik macht’s: Chips sind wichtiger Bestandteil im Ausweis. Foto: Imago

Perfekte Abstimmung: Über die NFC-Schnittstelle erkennt das Kartenlesegerät die Daten. Foto: dpa

Perfekte Abstimmung: Über die NFC-Schnittstelle erkennt das Kartenlesegerät die Daten. Foto: dpa

Berlin. Mehr als 51 Millionen Bürger haben ihn bereits in der Tasche – den elektronischen Personalausweis. Doch nur in jedem dritten Ausweis ist der integrierte Chip tatsächlich freigeschaltet.

Das ändert sich nun: Wer in ein paar Wochen seinen neu ausgestellten Personalausweis vom Einwohnermeldeamt abholt, erhält ein Dokument mit aktivem Chip. Mit dieser Entscheidung ändert der Bundestag die bisher geltende Regel, dass jeder selbst bestimmt, ob der Chip aktiviert werden soll.

Derzeit ist der digitale Personalausweis noch selten in Gebrauch – obwohl die eID im Alltag Vorteile bringt. Mit ihrer Anwendung gehören beispielsweise lästige Öffnungszeiten und lange Warteschlangen bei vielen Behördengängen schon der Vergangenheit an.

Eine Steuererklärung abgeben, ein Führungszeugnis anfordern, den Rentenantrag stellen oder eine Schufa-Auskunft einholen: Das geht digital.

Doch der Ausweis erspart nicht nur den Gang zum Rathaus. Unternehmen dürfen ebenfalls auf eine Online-Identifikation zurückgreifen – wenn sie alle amtlichen Datenschutzvorschriften erfüllen.

Versicherungen zum Beispiel: „Für Kunden, Vermittler und Unternehmen werden Geschäftsabläufe einfacher, sicherer und effizienter“, sagt Jörg von Fürstenwerth, Chef des Versicherungsverbands GDV.

Neben Versicherungen zählen vor allem die Deutsche Post und Banken zu den zertifizierten Unternehmen. „Die Möglichkeit der elektronischen Identifizierung nimmt Rücksicht aufdie gewandelten Bedürfnisse der Kunden“, sagt Tobias Frey vom Bundesverband deutscher Banken. Es geht alles schneller und weniger bürokratisch.

Und so wird der digitale Ausweis genutzt: Man schließt ein Kartenlesegrät an den PC an. Vertrauenswürdige Geräte sind mit dem Logo des Personalausweises und der Kombination BSI TR-03119 gekennzeichnet – dem Zertifikat des Bundesamts für Sicherheit und Information. Wer ganz sichergehen möchte, nimmt ein Modell mit eigener Tastatur und setzt nicht die des Computers ein.

Zur Identifikation den Ausweis einlesen und eine sechsstellige PIN eingeben. Anschließend werden die Daten übermittelt, die der Nutzer ausdrücklich ausgewählt hat.

Auch mit mobilen Androidgeräten ist der Personalausweis kompatibel, für Apple-Smartphones funktioniert das noch nicht. Dafür einfach die „AusweisApp 2“ runterladen. Diese prüft, ob das Verfahren ohne Kartenlesegerät funktioniert. Ist dies der Fall, reicht es aus, die Karte von hinten an das Smartphone oder Tablet zu halten. Und das ist sicher. So mancher skeptische Einwand erweist sich als Märchen.

Die Geschichte etwa, dass Datendiebe im Vorbeigehen mit dem Handy Persönliches ausspionieren, ist absoluter Quatsch. Erstens: Der Radius der Schnittstellen im Ausweis ist bewusst sehr klein gehalten, Daten können also nur bei direktem Kontakt weitergegeben werden. Zweitens: Ohne PIN geht nichts.

Trotz der hohen Sicherheitsstandards sind nicht alle erfreut über die Gesetzesänderung. Jürgen Müller von der Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit etwa kritisiert, der Beschluss wäre ein Einschnitt in die „informationelle Selbstbestimmung“. Es steht allerdings jedem frei, die Karte nachträglich sperren zu lassen.

Erneuten Aufwind wird der Personalausweis noch mal ab September 2018 bekommen. Dann befähigt er sogar zum Zugriff auf digitale Angebote anderer EU-Mitgliedsstaaten.

Deutschland ist damit der erste EU-Staat, der eine länderübergreifende Anerkennung für die eID erreicht hat. Damit sind wir digital ganz vorn.


Mehr zum Thema:

Die überarbeitete Zahlungsdiensterichtlinie der EU sieht vor: Die Banken schaffen die Papier-TAN-Listen bis 2018 ab. Online-Banking-Kunden sollten sich daher schon mal mit den Alternativen vertraut machen. Hier gibt’s den Überblick.

Ein sorgloser Umgang mit dem Smartphone kann gefährlich sein: Fotos, E-Mails, Banking-Informationen – Cyber-Kriminelle versuchen systematisch, an persönliche Daten zu kommen. AKTIVonline zeigt, wie Ihr Handy schützen können.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang