Der Markt für E-Mobilität nimmt jetzt richtig Fahrt auf

Elektrofahrzeuge werden günstiger und leistungsfähiger

Was hat ein Elektroauto mit einem Flachbild-Fernseher zu tun? Antwort: Auch die Fahrzeuge werden laut Experten wohl sehr bald den Weg vom teuren Nischenprodukt zum für jedermann bezahlbaren Massenprodukt schaffen. Warum das so ist.

Bild: Tomicek

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Bochum. Die deutschen Autohersteller krempeln ihre Produktpaletten kräftig um. Bis zum Jahr 2020 wollen sie ihr Modellangebot an Elektrofahrzeugen mehr als verdreifachen – von heute 30 auf rund 100.

„Die E-Mobilität hierzulande entwickelt sich zurzeit rapide“, sagt Professor Friedbert Pautzke, Leiter des Instituts für Elektromobilität an der Hochschule Bochum. Das zeigt auch die Statistik: Insgesamt wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 22.465 Elektrofahrzeuge zugelassen, ein Zuwachs von 113 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum!

Zwar ist der Marktanteil noch gering – im Juni waren nur 0,7 Prozent reine Elektrofahrzeuge. In einer aktuellen „Stern“-Umfrage waren 85 Prozent skeptisch wegen der bislang kurzen Reichweiten, 83 Prozent wegen der Anschaffungskosten und 78 wegen des dünnen Netzes von Ladestationen. Doch all das ändert sich.

„In der Batterieforschung tut sich einiges“, urteilt Experte Pautzke. „Die Reichweiten werden steigen.“ Und er wagt die Prognose: „So wie vor Jahren der Flachbild-Fernseher wird auch das Elektroauto sehr bald den Weg vom teuren Nischen- zum für jedermann bezahlbaren Massenprodukt schaffen.“

Der Bund finanziert bis 2020 15.000 neue Ladestationen

Und was das Ladenetz betrifft: Bereits heute gibt es bundesweit 7.400 öffentlich zugängliche Ladestationen – die Zahl ist immerhin halb so groß wie die Zahl der Tankstellen im Land. Der Bund hat für den weiteren Ausbau bis 2020 Zuschüsse von 300 Millionen Euro in Aussicht gestellt, für weitere 15.000 Ladestationen, darunter 5.000 Schnellladestationen entlang der Bundesfernstraßen.

„Ein Problem sind allerdings die unterschiedlichen Bezahlsysteme – bei vielen Ladestationen muss man sich vorher umständlich registrieren lassen oder sich anmelden“, sagt Pautzke. Aber auch hier erwartet er Besserung: „Es wird sich da bald ein einheitliches Verfahren durchsetzen.“

40 Milliarden Euro investieren der VW-Konzern, BMW, Audi, Daimler, Ford und Opel sowie ihre Zulieferer bis 2020 in alternative Antriebe. Es tut sich was in der Branche. Und um die derzeit noch recht hohen Anschaffungskosten zu mindern, fördert der Staat jeden Kauf mit 4.000 Euro.


Aufladen: An Steckdose oder Säule

Foto: Straßmeier
Foto: Straßmeier
  • Jedes Elektroauto kann auf zwei unterschiedliche Arten mit Strom aufgeladen werden.
  • An der heimischen Steckdose: Einfach das Ladekabel reinstecken, wenn das Auto gerade parkt. Das Laden mit dem haushaltsüblichen Wechselstrom dauert mehrere Stunden.
  • An einer Ladesäule, etwa an Tankstellen und Parkplätzen: Dauert etwa eine Stunde, läuft meist nach dem auf Gleichstrom basierenden EU-Standard „Combined Charging System“.

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Um den E-Flitzer auf die Straße zu bringen, entwickeln Forscher laufend neue Materialien. Denn die Einspeisung erneuerbarer Energien in den Verkehrssektor soll bis zum Jahr 2050 rund 40 Prozent betragen.

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