Pedelecs, E-Bikes & Co.

Elektro-Fahrräder: Das sollten Sie vorm Durchstarten berücksichtigen

Vorbei die Zeit, in der man bergauf verbissen keucht und schwitzt: Auf einem Elektrofahrrad überwindet man mühelos den Höhenunterschied und legt selbst lange Strecken leicht zurück. Die Drahtesel mit Hilfsmotor, zu Beginn oft noch als „Rentnerrad“ belächelt, werden auch bei jungen Leuten immer beliebter. Auf Deutschlands Straßen fahren laut Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) inzwischen knapp zwei Millionen Elektrofahrräder.

Auch viele Touristen sind damit unterwegs. Der Anteil von Reisen mit Elektrorädern und Pedelecs hat sich 2015 im Vergleich zum Vorjahr auf 11 Prozent verdoppelt, so der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club ADFC. Fast alle europäischen Urlaubsregionen haben sich darauf eingestellt.

Ob im Alltag oder Urlaub, eines sollte man wissen: Viele Fahrräder mit elektrischer Unterstützung gelten vor dem Gesetz nicht mehr als Rad, sondern bereits als Kraftfahrzeug. Das heißt, man braucht dafür eine Zulassung, eine Haftpflicht-versicherung und den Mofa-Führerschein.

Die Abkürzung Pedelec setzt sich zusammen aus den englischen Wörtern Pedal Electric Cycle. Das bedeutet, ein elektrischer Motor unterstützt den Radler, sobald der in die Pedale tritt. Zu dieser Klasse gehören fast 95 Prozent aller verkauften elektrisch unterstützten Zweiräder. Ein solches Fahrrad mit Trethilfe darf rechtlich gesehen nicht mehr als 250 Watt Leistung besitzen und nicht schneller als 25 Kilometer in der Stunde fahren (das ist etwa so schnell wie ein Traktor), dann gilt es als Fahrrad.

Auch wenn es für Pedelecs nicht Pflicht ist, sollte man besser mit Helm fahren, empfiehlt der ADFC. Einige Modelle verfügen über eine sogenannte Anfahrhilfe. Das heißt, bis zu einer Geschwindigkeit von sechs Stundenkilometern ist kein eigener Krafteinsatz nötig. Auch diese Modelle gelten als Fahrräder, wie der Gesetzgeber bereits Mitte 2013 klargestellt hat.

Mofa-Führerschein und Versicherung

In vielen Bundesländern braucht man für Pedelecs eine Mofa-Prüfung. Die kann man ab 15 Jahren machen. Im Motorrad-Führerschein (A, A1, A2) und im Pkw-Führerschein Klasse B (früher Klasse 3) ist sie enthalten. Für alle, die vor dem 1. April 1965 geboren sind, reicht sogar ein Personalausweis.

Und was ist mit der Versicherung? Pedelecs sind häufig in der privaten Haftpflicht eingeschlossen. Für alte Verträge gilt das aber nicht. Hier sollte man sich den Schutz vorsichtshalber schriftlich vom Versicherer bestätigen lassen, rät der Rechtschutzversicherer Arag.

Eigenes Kennzeichen

Strenger sind die Vorschriften für schnelle Elektro-Fahrräder, sogenannte S-Pedelecs. Sie gelten als Kleinkraftrad. 500 Watt hat der Motor, der den Fahrer beim Strampeln bis zu einer Geschwindigkeit von 45 Stundenkilometern unterstützt.

Die schnellen Treter müssen mit einem eigenen Kennzeichen versehen und versichert sein. Vorgeschrieben sind zudem Helm sowie die Fahrerlaubnis für Kleinkrafträder der Klasse M. Sie heißt seit Januar 2013 AM und ist im Autoführerschein Klasse B sowie der Fahrerlaubnis fürs Motorrad drin. Die Prüfung in Theorie und Praxis kann man ab 16 Jahren machen.

Nicht auf den Radweg

Noch ein wichtiger Unterschied zum echten Fahrrad: S-Pedelecs dürfen in der Innenstadt und nach aktueller Rechtsprechung auch außerorts nicht auf Radwegen fahren. Das gilt auch bei ausgeschaltetem Motor oder wenn der Akku leer ist. Damit für alle gleiches Recht gilt, wurde in der Straßenverkehrsordnung die Erlaubnis gestrichen, dass man Mofas durch Treten auf dem Radweg fortbewegen darf. Der Transport von Kindern im Anhänger ist in S-Pedelecs im Gegensatz zu normalen Pedelecs nicht erlaubt.

Für E-Bikes (neu: Elektro-Leichtmofas) schließlich reichen die gesetzlichen Vorschriften noch weiter. Wichtigstes Merkmal zur Abgrenzung vom Pedelec: E-Bikes bewegen sich auch fort, wenn man nicht in die Pedale tritt. Ein Drehgriff oder Schalter am Lenker regelt die Geschwindigkeit.

Man unterscheidet sie je nach Tempo: Bis 20 Stundenkilometer gelten E-Bikes als Leichtmofa, bis 25 Stundenkilometer als Mofa. E-Bikes, die eine Höchstgeschwindigkeit von 45 Kilometern in der Stunde erreichen, fallen unter die Kleinkrafträder. Für alle drei braucht man eine Betriebserlaubnis, es gilt eine Helmpflicht, und man braucht als Fahrer einen Mofa-Führerschein.

Und wenn man einfach auf die Fahrerlaubnis pfeift? Dann begeht der Fahrer eine Ordnungswidrigkeit. Falls ihn die Polizei erwischt, muss er mit einer Geldstrafe rechnen. Dasselbe gilt für Bastler, denen es auf dem Elektro-Fahrrad nicht flott genug geht. Wer den Motor „frisiert“, riskiert den Versicherungsschutz für das Fahrzeug. Darauf macht der Versicherer Arag aufmerksam.

Er rät dringend, sich nie ohne Haftpflicht auf so ein Gefährt zu setzen. Und ab und zu sollte man, wie beim Auto, das Profil der Reifen kontrollieren. Mindestens einen Millimeter tief müssen die Rillen sein.

Wenn das Fahrrad mit Motor als Kraftfahrzeug gilt, ändern sich auch die Promillegrenzen. Während ein Fahrradfahrer die absolute Fahruntüchtigkeit laut Gesetz mit 1,6 Promille erreicht, liegt die Grenze für Fahrer von schnellen Pedelecs und E-Bikes schon bei 1,1 Promille.

Ausreizen sollte man das aber nicht. 1,6 Promille seien ein sehr hoher Wert, gibt etwa der ADFC zu bedenken: „Wer nicht erheblich an Alkohol gewöhnt ist, kann bei dieser Alkoholisierung sein Fahrrad nicht wiederfinden, aufschließen oder besteigen – vom Fahren ganz zu schweigen.“

Grundsätzlich empfiehlt der Club allen Pedelec-Fahrern, sich vor der ersten Ausfahrt mit Motorunterstützung, Bremswirkung und Fahrverhalten des Zweirads vertraut zu machen. Der ADFC bietet dazu auch spezielle Sicherheitstrainings an: adfc-radfahrschule.de


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