Schutz vor Eiseskälte und Nässe

Elastische Funktionsfasern der BASF: So macht der Skianzug alles mit

Mit dem Grundstoff der BASF lässt sich die Faser bis auf die siebenfache Länge dehnen

Ludwigshafen. Ab auf die Piste! Wahre Wintersport-Fans lassen sich weder von Wind noch Wetter aufhalten. Hauptsache, in hohen Lagen liegt genug Schnee zum Skifahren und Snowboarden.

Dabei kann es unter dem Skianzug schnell heiß werden – auch bei Minusgraden. Die schweißtreibenden Bewegungen setzen Skijacken, -hosen und -unterwäsche extremen Bedingungen aus. Nur spezielle Kunstfasern wie Elastan halten Belastungen wie Kälte, Schweiß, Wasserdampf und solch raschen Bewegungen stand. Der Grundstoff kommt aus Ludwigshafen.

Der Chemiekonzern BASF produziert dort sogenanntes Polytetrahydrofuran, kurz: PolyTHF. Die chemische Verbindung verleiht der Elastan-Faser erst ihre raffinierte Eigenschaft: „Sie macht die Kleidung extrem elastisch“, erklärt Vasilios Galanos, Leiter Marketing und Vertrieb vom Bereich Diole und Polyalkohole. „Die Fasern sind damit um 500 bis 700 Prozent ihrer ursprünglichen Länge dehnbar. Und sie behalten diese extreme Elastizität, ohne ihre Form zu verlieren.“

Das Geheimnis schlummert in der besonderen langkettigen Molekülstruktur des Polymers: Abwechselnd reihen sich flexible, weiche Abschnitte an starre Abschnitte. Die weichen Teile lassen sich beliebig knäulen und strecken – das macht sie elastisch wie ein Gummiband. Die harten Segmente hingegen ziehen sich an und bilden feste Knotenpunkte zwischen den einzelnen Molekülen. „Das verleiht der Faser eine Struktur, die schwer aufzubrechen ist“, sagt Galanos.

Die harten Knoten sorgen jedes Mal dafür, dass die flexiblen Abschnitte nach der Dehnung in ihren Ursprungszustand zurückschwingen. Nicht einmal eisige Temperaturen und Feuchtigkeit können der Struktur etwas anhaben. Wasserdampf, wie er beim Schwitzen entsteht, kann ohne Probleme nach außen entweichen. Zur Freude aller Allergiker meiden außerdem Milben die Elastan-Faser. Galanos: „Für Mikroben sind die PolyTHF-Moleküle schwer verdaulich.“

Von solch einer Hightech-Kleidung konnten die Menschen vor gut 100 Jahren nur träumen. Wenn sie sich im Winter mit Wollpulli oder Stoffhose in den Schnee wagten, froren ihnen die Kleider regelrecht ein. Die Naturfasern wurden hart, die Hose steif wie ein Brett. Erst die Erfindung der Kunstfaser in den 30er-Jahren änderte das.

Von anfangs 4.000 auf heute 350.000 Tonnen

Seit 1983 produziert die BASF in Ludwigshafen das Zwischenprodukt PolyTHF. Die erste Anlage ging im Stammwerk mit 4.000 Tonnen Kapazität in Betrieb. Heute ist das Chemie-Unternehmen der führende Anbieter und stellt weltweit 350.000 Tonnen pro Jahr her – neuerdings auch aus nachwachsenden Rohstoffen. Verschiedene Anwendungen werden derzeit getestet.

Etwa zwei Drittel der Produktion gehen in die Textil-Industrie. Elastan steckt zum Beispiel auch in Sporttrikots, Bade- und Wanderbekleidung, Jeans und Unterwäsche. Experten erwarten auch in Zukunft eine hohe Nachfrage: „Mit wachsendem Wohlstand nimmt der Textilabsatz zu“, so Galanos. „Man leistet sich die neueste Mode und trennt sich viel schneller von alter Kleidung.“


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