Altpapier-Recycling

Einsatz für einen wichtigen Rohstoff


Bayerische Firmen arbeiten jetzt in Sachen Altpapier zusammen

Trostberg. Altpapier, so weit das Auge reicht! Kunterbunt gemischt oder aber zu braunen und sogar reinweißen Ballen gepresst – bergeweise liegt es auf dem Gelände der Papierfabrik Hamburger Rieger im bayerischen Trostberg. Was Normalverbraucher als Abfall betrachten und achtlos in die Tonne werfen, wird hier benötigt, um neues Papier zu produzieren: Die Rieger-Ware ist zu 100 Prozent aus Altpapier.

Kaffeebecher machen Probleme

Kein anderes Material wird so vorbildlich recycelt – mit Altpapier decken die Papierhersteller ihren Rohstoffbedarf zu rund 70 Prozent. Über 16 Millionen Tonnen jährlich werden laut Statistik des Verbandes Deutscher Papierfabriken verwertet. „Ein Musterbeispiel für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft“, lobt Bayerns Umweltminister Marcel Huber.

Er ist an diesem heißen Sommertag nicht etwa nur in den Betrieb gekommen, um sich die Produktion aus nächster Nähe anzusehen – nein: Hier geht es um Erkenntnisse aus einem Projekt, mit dem sich fast 40 Partner für den wichtigen Rohstoff einsetzen.

Denn im auf den ersten Blick banalen Thema Altpapier verbergen sich knifflige Probleme: Die steigende Nachfrage etwa in China und den Golfstaaten macht den Rohstoff knapper. Neue Produkte – wie Kaffeebecher oder verklebte Kartons – und vor allem auch der Eintrag von problematischen Stoffen beeinträchtigen die Qualität: Mineralölbestandteile aus Druckfarben haben ja schon für Schlagzeilen gesorgt.

Im Auftrag des Ministeriums hat deshalb das Augsburger Umweltinstitut bifa die Altpapier-Wertschöpfungskette analysiert, unter reger Beteiligung von Praktikern. Bei den diversen Diskussionsrunden waren Papierhersteller und Verpackungsfirmen ebenso dabei wie Druckereien und Verlage, Klebstoff- und Druckfarbenhersteller, Entsorgungsbetriebe und Lebensmittelfirmen.

Da konnten zum Beispiel die Entsorger erklären, wie und warum Verunreinigungen im Altpapier entstehen.

Wachsreste mogeln sich durch Siebe

Die Papierhersteller wiederum machten klar, dass teure Prozesse ins Stocken kommen, wenn Problemstoffe wie wasserfestes Papier den Pulper verstopfen – und warum weihnachtliche Wachsreste im Altpapier sich auch durch die feinsten Siebe mogeln.

„Für uns alle war das Schwerstarbeit, weil das Thema so ungeheuer komplex ist“, sagt Harald Hiltensberger vom Kemptener Abfallentsorger Dorr, „jeder erfuhr hier Neues – auch wenn man meinte, sich da schon gut auszukennen.“ Mette Olsen von der Käserei Champignon Hofmeister aus Lauben im Allgäu stimmt zu: „Das war spannend, ich habe die Thematik erstmals aus völlig verschiedenen Blickwinkeln betrachten können.“

Nach der Analyse sollen nun gemeinsame Taten folgen. Angedacht ist unter anderem eine freiwillige Selbstverpflichtung aller Akteure auf unbedenklich recyclingfähige oder deinkbare Stoffe.

Josef Schießl vom Süddeutschen Verlag meint dazu: „Die Selbstverpflichtung wird kommen – das ist langfristig der einzige Weg, um Imageschäden zu vermeiden.“ Günther Berninghaus, Inhaber des Papierwerks Landshut Mittler und Vorsitzender des Verbands der Bayerischen Papier, Pappe und Kunststoff verarbeitenden Industrie, hat in seinem Betrieb bereits auf mineralölfreie Druckfarben umgestellt: „Das Thema hat die Branche voll erfasst, und wir alle müssen uns ihm stellen“, mahnt er.

Kritik an langen Transportwegen

Auch an der Altpapier-Verteilung soll gearbeitet werden. „Es kann nicht sinnvoll sein, regional anfallende Altpapiermengen an der lokalen Papierfabrik vorbei Hunderte Kilometer durch Europa zu transportieren, nur weil das kommunale Ausschreibungswesen so etwas zulässt“, betont Thorsten Arl, Hauptgeschäftsführer der beiden Bayerischen Papierverbände. Die haben nicht nur das ganze Projekt gemeinsam mit dem Ministerium angeschoben, sondern sich auch an der Finanzierung beteiligt.

Jürgen Schaller, Chef des Hülsenpapierherstellers Carl Macher in Brunnenthal und Vorsitzender des Verbands Bayerischer Papierfabriken, ist sicher, dass schon bald erste Ergebnisse präsentiert werden können: „Der Anfang ist gemacht – alle sitzen an einem Tisch, das war möglicherweise die schwierigste Hürde.“

Der Projektbericht „Optimierung und Sicherung der Altpapierkreisläufe“ steht im Netz: www.baypapier.com (unter „Standpunkte“ – „Gutachten“).

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